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Chevrolet Caprice
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Der Chevrolet Caprice war ein Fullsize-PKW, der in den Modelljahren 1966 bis 1996 von der preisgĂŒnstigen Chevrolet-Division des Automobilherstellers General Motors in den USA zunĂ€chst als Luxusversion des Modells Impala und damit Spitzenmodell gebaut wurde. Die Bezeichnung wurde durch vier Modellgenerationen beibehalten und gehörte durchgehend zu den bestverkauften Chevrolet-Modellen. Die letzte Generation Caprice war gleichzeitig der letzte in Nordamerika von General Motors produzierte Body-on-Frame-PkW.
Contents
âą Modellgeschichte
âą Weblinks
âą Literatur
âą Einzelnachweise
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Modellgeschichte
1. Generation â Caprice (1966â1970)
Noch zu Beginn der Sechziger haben US-Automobilmarken ĂŒblicherweise jeweils nur ein einziges PKW-Modell produziert, das in der Regel in drei verschiedenen Ausstattungsvarianten (Trimlevel) angeboten wurde. Als ab 1960 nach und nach kleinere PKW Einzug ins Portfolio der Hersteller hielten, wurde die traditionelle Baureihe begrifflich mit Bezeichnungen wie âRegular Sizeâ oder âStandard Sizeâ abgegrenzt, woraus sich ab Mitte der Sechziger die Klassenbezeichnung âFullsizeâ entwickelt hat. Fullsize ist ursprĂŒnglich ein traditionell, nicht technisch definierter Begriff, der bis weit in die zweite HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts die traditionelle Fahrzeugplattform einer Marke weitgehend ungeachtet ihrer tatsĂ€chlichen GröĂe beschreibt, und der erst wesentlich spĂ€ter an StandardmaĂe und -rauminhalte geknĂŒpft wurde.
Dass der Caprice unter den groĂen Chevrolet-Modellen die Spitzenposition einnimmt, fĂŒhrt oft zu der Annahme, es handle sich um ein gehobenes Modell im Sinne der deutschen âoberen Mittelklasseâ. Vor dem Hintergrund des völlig anders strukturierten US-Marktes ist diese Einstufung irrefĂŒhrend: Die Divisionen des GM-Konzerns waren entlang einer strikten vertikalen Preishierarchie organisiert, von Cadillac ĂŒber Buick, Oldsmobile und Pontiac absteigend zu Chevrolet. Chevrolet war horizontal gegen die Ford Motor Company-Marke Ford sowie die Chrysler Corporation-Marke Plymouth aufgestellt â diese drei extrem stĂŒckzahlenstarken Marken bildeten das sogenannte âLow Priceâ-Segment, in welches zwischen 1950 und 1975 mehr als 50 % der NeuwagenverkĂ€ufe in den USA fielen. Die ĂŒbrigen Divisionen haben bis in die Siebziger eine strikte Abgrenzung gegen das Low-Price-Segment aufrechterhalten, sichtbar unter anderem in der lange kĂŒnstlich verzögerten V8-EinfĂŒhrung bei Chevrolet oder dem âFlossenverbotâ fĂŒr die Low-Price-Marke. Kein Produkt der Low Priced Three wurde von Konsumenten als âgehobenâ, âobereâ oder âmittelâ wahrgenommen. Hier verhĂ€lt es sich Ă€hnlich wie mit der âFullsizeâ-Klasse, die als âNormalgröĂeâ wahrgenommen wurde: Chevrolet war â mit mehr als 50 % Anteil an der GM-Gesamtproduktion â die ânormaleâ Marke, Pontiac, Oldsmobile, Buick und Cadillac wurden als mögliche Steigerungen des Normalzustandes betrachtet. Insofern ist selbst die Annahme einer Mittelklasse auf dem US-Markt schon verzerrend.
Entsprechend der traditionellen Herleitung der âFullsizeâ-Definition ist der Chevrolet Fullsize kleiner als die Fullsizes der gehobenen Marken. Cadillac und Buick haben die lange C-Plattform verwendet, Chevrolet und Pontiac die kĂŒrzere B-Plattform, nur Oldsmobile in der Mitte der Hierarchie hat beide Plattformen genutzt und gleichzeitig zwei Fullsizes angeboten.
Die Chevrolet-Division des GM-Konzerns hat ihren Fullsize von 1950 bis 1957 auf der A-Plattform des Konzerns gebaut, und von 1958 bis 1995 auf der B-Plattform. 1996 wurde die Plattform in GMT300 umbenannt und am Ende des Modelljahres eingestellt. Zum Modelljahr 1965 bekam die B-Plattform einen neuen Leiterrahmen, der den bisher verwendeten X-Rahmen ablöste. Gleichzeitig wurde die Plattform wesentlichen technischen VerĂ€nderungen unterzogen. Den traditionellen drei Trimleveln Biscayne, Bel Air und Impala wurde zu diesem Anlass ein Sonderausstattungspaket zur Seite gestellt, welches nur auf der viertĂŒrigen Hardtop-Limousine des Spitzen-Trimlevels Impala erhĂ€ltlich war. So ausgestattete Fahrzeuge wurden als âImpala Capriceâ bezeichnet.
1966
Zum Modelljahr 1966 wurde âCapriceâ zu einem eigenen Trimlevel, das den Spitzenplatz in der Trimlevel-Hierarchie einnahm. Die VerfĂŒgbarkeit war zunĂ€chst auf den Sport Sedan und den Station Wagon (Kombi) beschrĂ€nkt, auĂerdem erhielt der Caprice eine eigene CoupĂ©-Karosserie, die sich vom Impala-CoupĂ© durch die steilere Heckscheibe und breitere C-SĂ€ule unterschied.
Entsprechend dem Spitzenstatus des Trimlevels gab es den Caprice nur mit V8-Motoren. Der Basismotor war der bekannte 283 inÂł (4,7 Liter) Smallblock V8 und leistete 195 PS (143 kW). Sowohl der Mark I âW-Blockâ-Motor als auch die Rochester-Einspritzanlage waren im Vorjahr eingestellt worden â dafĂŒr war mit dem 427 inÂł erstmals ein Mark IV-Motor verfĂŒgbar. Standard war ein 3-Gang-Schaltgetriebe mit Schalthebel an der LenksĂ€ule, optional standen das Zweigang-Power Glide-Automatikgetriebe und eine 4-Gang-Schaltgetriebe mit Schalthebel auf dem Kabinenboden zur VerfĂŒgung.
| Bezeichnung | Typ | Hubraum [in 3 ] | Hubraum [cm 3 ] | Verdichtung | Vergaser | Leistung [PS/kW] | bei Drehzahl [min â1 ] |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Turbo-Fire V-8 | SBC | 283 | 4638 | 9,25:1 | Rochester Registervergaser | 195/143 | 4800 |
| L77 | SBC | 283 | 4638 | 9,25:1 | Rochester Doppel- Registervergaser | 220/162 | 4800 |
| L30 | SBC | 327 | 5359 | 10,25:1 | Holley/Carter Doppel-Registervergaser | 275/202 | 4800 |
| L35 | BBC Mark IV | 396 | 6494 | 10,25:1 | Holley/Rochester Doppel-Registervergaser | 325/239 | 4800 |
| L36 | BBC Mark IV | 427 | 6997 | 10,25:1 | Rochester Doppel-Registervergaser | 390/287 | 5200 |
| L72 | BBC Mark IV | 427 | 6997 | 11,00:1 | Holley Doppel-Registervergaser | 425/312 | 5600 |
1967
Im Modelljahr 1967 wanderten die vorderen Blinkleuchten an die Fahrzeugecken und bildeten mit der V-förmigen Nase eine deutliche Konturierung der Fahrzeugfront. Die HĂŒftknicke ĂŒber den hinteren Radausschnitten wurden deutlicher.
1968
FĂŒr 1968 wurden die vorderen Blinkleuchten wieder kleiner und machten einem deutlich nach oben gezogenen FrontstoĂfĂ€nger Platz. Die Doppelscheinwerfer erhielten rechteckige, verchromte Rahmen. Das CoupĂ© verlor seine B-SĂ€ulen und mutierte so ein Jahr lang zum Hardtop-CoupĂ©. 1968 war es wieder ein normales CoupĂ©. Technisch Ă€nderte sich in diesen beiden Jahren wenig.
1969
Erneut umfassend ĂŒberarbeitet prĂ€sentierte sich die Serie fĂŒr das Modelljahr 1969. Bei gleichem Radstand waren die Wagen in LĂ€nge und Breite nochmals gewachsen. Die noch stĂ€rker konturierte Front zeigte allseitig einen massiven Chromrahmen, und die hinteren Radausschnitte waren so weit verkleinert worden, dass die oberen HĂ€lften der RĂ€der fast abgedeckt waren. Die untere HĂ€lfte des Heckabschlusses wurde vom verchromten, hinteren StoĂfĂ€nger eingenommen, der auch die drei schmalen RĂŒckleuchten pro Seite aufnahm. Die Kombis â nur mit V8-Motoren verfĂŒgbar â hieĂen nun Kingswood Estate.
1970
Wenige VerÀnderungen hatte das Modelljahr 1970. Das Motorenprogramm wurde gestrafft: Ein neuer V8 mit 5735 cm3 Hubraum und 250 PS (184 kW) kam zum Einsatz.
2. Generation â Caprice / Caprice Classic (1971â1976)
Mit dem Modellwechsel 1971 sollte eine neue Ăra im US-Automobilbau vorbereitet werden. Luftreinhaltungsvorschriften und andere Eingriffe des Gesetzgebers in die Gestaltungs- und Entwicklungsfreiheit der Autohersteller waren entweder bereits beschlossen oder wurden in der ersten HĂ€lfte der Siebziger erwartet, so dass MarktfĂŒhrer General Motors alle Fahrzeuge aller Divisionen einer Abkehr vom âPerformanceâ-Image der Sechziger unterzog. Zu diesem Zeitpunkt war die GM âBâ Fullsize-Plattform in den USA die meistverkaufte Fahrzeugplattform pro Modelljahr, und die Chevrolet-Fullsizes Caprice und Impala die meistverkauften Fahrzeugmodelle. GröĂere, schwerere, luxuriöser und sichere Fahrzeuge mit geringerem SchadstoffausstoĂ sollten in der âLandyachtâ-Ăra die bisherigen Hubraum- und Leistungsgiganten ersetzen. Bereits 1975 verabschiedete der US-Kongress völlig unerwartet unter dem Eindruck der Ălkrise von 1974 Notfall-EnergiesparmaĂnahmen, die einen GroĂteil der US-Fahrzeugproduktion obsolet machte und die Hersteller zu radikalem und extrem kurzfristigem Umdenken zwang.
1971
Zum Modelljahr 1971 wurde die B-Karosserie und der unter der Karosserie verwendete Leiterrahmen entsprechend der GM-Designphilosophie fĂŒr die Siebziger vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitet: Der Radstand der Limousine wuchs von 119 Zoll (3023 mm) auf 121,5 Zoll (3086 mm), in den Kombis sogar auf 125 Zoll (3200 mm), was die ModelljahrgĂ€nge 1971â1976 zu den gröĂten Chevrolets in der Geschichte macht. Der Caprice war weiterhin nur als Limousine verfĂŒgbar, das Spitzentrimlevel fĂŒr Kombis verwendete weiterhin die eigenstĂ€ndige Bezeichnung âKingswood Estateâ. Insgesamt wurden der Caprice in fĂŒnf Karosserieformen angeboten, als Hardtop, Cabrio (ab 1973) und CoupĂ© mit zwei TĂŒren, sowie als Hardtop und als Limousine (ab 1972) mit vier TĂŒren.
Die auĂer dem GröĂenzuwachs wesentlichen technischen VerĂ€nderungen betrafen nur die Kombimodelle, die als einzige GM-Fullsizes nach 1958 wieder Blattfedern fĂŒr die HinterachsaufhĂ€ngung verwendeten. Die zweiteilige Kofferraumklappe war ebenfalls komplett ĂŒberarbeitet worden: Die Glasscheibe wurde zum Ăffnen in das Fahrzeugdach zurĂŒckgezogen, wĂ€hrend der untere Teil der Klappe unter den Ladeboden geschoben wurde. Nach diesem Merkmal werden die Wagons der Modelljahre 1971â1976 heute âClamshellâ-Wagons (âMuschelschaleâ) genannt, die GM-Marketingbezeichnung lautete eigentlich âGlide-Awayâ. Trommelbremsen vorn waren fĂŒr alle Modelle nicht lĂ€nger verfĂŒgbar.
Alle in der Baureihe verfĂŒgbaren Motoren hatten fĂŒr 1971, in Erwartung der 1975 in Kraft tretenden staatlichen Emissionsbegrenzung fĂŒr PKW, eine Kompressionsreduzierung erfahren. Standard auf dem Caprice war der 400 inÂł (6,6 Liter) Smallblock-V8 mit 255 PS, optional waren zwei Bigblock-V8 verfĂŒgbar, der 402 inÂł (6,6 Liter) mit 300 PS sowie der 454 inÂł (7,4 Liter) mit 365 PS. Beide Bigblock-Motoren waren Mark IV-Blöcke, auch wenn die Nomenklatur an dieser Stelle Ă€uĂerst unĂŒbersichtlich ist: Der 402 inÂł Mark IV ist die Ausbaustufe des 396 inÂł Mark IV, dessen alte Hubraumbezeichnung aus MarketinggrĂŒnden auf anderen Chevrolet-Baureihen aber beibehalten wurde, obwohl sich der Hubraum tatsĂ€chlich von 396 auf 402 inÂł vergröĂert hatte. Die Handelsbezeichnung fĂŒr den 402 im Caprice lautet obendrein âTurbo Jet 400â, was aber nicht mit dem 400 inÂł âGiant Smallblockâ verwechselt werden darf.
1972
FĂŒr 1972 wurden die StoĂstangen des Caprice in Vorbereitung auf den am 1. September 1972 in Kraft tretenden Federal Motor Vehicle Safety Standard #215 (FMVSS 215) ĂŒberarbeitet. Die Vorschrift, auch als â5 Mile Impact Lawâ bekannt, zwang Autohersteller ab dem Modelljahr 1973 StoĂstangen so zu konstruieren, dass âBagatellkollisionenâ bis zu einer Aufprallgeschwindigkeit von 5 mph (8 km/h) an der Front bzw. 2,5 Meilen (4 km/h) am Heck weder Fahrbarkeit noch sicherheitsrelevante Einrichtungen des Fahrzeugs beeintrĂ€chtigen konnten, ab dem Modelljahr 1974 war auĂerdem die Höhe von PKW-StoĂstangen gesetzlich festgelegt. Entsprechend wurden die RĂŒckleuchten des Caprice schon fĂŒr 1972 in eine neue, massive HeckstoĂstange integriert, die fast das gesamte Heck des Fahrzeugs bis hoch zum Kofferraumdeckel verdeckt.
Gleichzeitig war es in den USA nicht lĂ€nger zulĂ€ssig, Motorleistung von Neuwagen als âBruttoâ-Horsepower anzugeben, so dass die werksseitigen Leistungsangaben fĂŒr 1972 in âNettoâ-Horsepower (SAE Standard J1349) erschienen. Dadurch wurde die Motorleistung aller verfĂŒgbaren Triebwerke als stark reduziert wahrgenommen, ohne dass der Hersteller technische VerĂ€nderungen vorgenommen hĂ€tte. Der Basis 400 inÂł (6,6 Liter) Smallblock-V8 wurde jetzt mit 170 PS (127 kW) angegeben, der Turbo Jet 400 Bigblock-V8 mit 210 PS (157 kW) und der 454 inÂł (7,4 Liter) Bigblock-V8 mit 270 PS (201 kW). 1972 war das letzte Jahr, in dem das Powerglide Zweigang-Automatikgetriebe parallel zum Turbo-Hydramatic THM400 Dreigang-Automatikgetriebe verfĂŒgbar war.
1973
1973 wurden die Trimlevel der Chevrolet-Fullsize-Baureihe neu geordnet: âBiscayneâ als unterste Ausstattung entfiel, die eigenstĂ€ndige Namensgebung fĂŒr Kombimodelle wurde aufgegeben, alle Caprice hieĂen jetzt âCaprice Classicâ. Der Bel Air war jetzt das Basismodell, die mittlere Ausstattung hieĂ Impala, der Caprice Classic war das Spitzenmodell.
Die vordere StoĂstange wurde erneut umgestaltet, um der 5 Mile-Impact-Vorschrift zu entsprechen. Als Vorbereitung auf die zum Modelljahr 1975 erwarteten Emissionsgrenzwert-Vorschriften wurden alle Motoren mit einer Abgas-RĂŒckfĂŒhrung (EGR) ausgerĂŒstet.
1974
1974 trat die zweite Stufe des 5 Mile-Impact-Law in Kraft, die die 8 mph-Aufprallresistenz jetzt auch fĂŒr hintere StoĂstangen vorsah, so dass die hinteren StoĂstangen der Caprice-Modelle erneut umgestaltet wurden â die RĂŒckleuchten-Einheit lag 1974 wieder ĂŒber der StoĂstange. Alle Modelle waren jetzt mit dem im Federal Motor Vehicle Safety Standard #208 (FMVSS 208) fĂŒr 1974 vorgeschriebenen Seat Belt Interlock ausgerĂŒstet, welches verhinderte, dass das Fahrzeug gestartet werden konnten, ohne dass Fahrer (und ggfs. Beifahrer) ihre Sicherheitsgurte angelegt hatten. Unmittelbar nach dem Beginn des Modelljahres 1974 kam es im Oktober 1973 zum Yom-Kippur-Krieg im Nahen Osten, und in dessen Folge zum OPEC-Ălembargo gegen die USA und zur ersten Ălkrise, die extrem weitreichende Folgen fĂŒr den US-Automobilbau nach sich zog.
1975
Zum Modelljahr 1975 fĂŒhrte GM zur Einhaltung der neu in Kraft getretenen Emissionsgrenzwerte des Clean Air Acts in der Fassung von 1970 Katalysatoren ein. Dieser lang erwartete und vorbereitete technische Quantensprung wurde völlig von den Folgen des OPEC-Ălembargos ĂŒberschattet, welches die USA bis MĂ€rz 1974 vom Rohöl-Weltmarkt abgeschnitten und den Preis fĂŒr Erdöl um 300 % nach oben getrieben hatte. Die Absicht der US-Autohersteller, die Clean Air Act-Vorschriften mittels gröĂerer Motoren mit geringerer Kompression und KatalysatorunterstĂŒtzung umzusetzen, und den KĂ€ufern im Ausgleich fĂŒr Leistung und Geschwindigkeit gröĂere und luxuriösere Fahrzeuge anzubieten, erwies sich angesichts der von der Ălkrise hervorgerufenen dramatischen VerĂ€nderungen in Politik, KĂ€ufererwartung und Benzinpreisentwicklung als nicht lĂ€nger umsetzbar. Die âLandyachtâ-Plattform war quasi ĂŒber Nacht obsolet geworden. Kurz nach dem Beginn des Modelljahres ergriff der US-Gesetzgeber NotfallmaĂnahmen und verabschiedete den CAFE (Corporate Average Fuel Economy) Standard, der Hersteller ab dem Modelljahr 1978 zur Einhaltung von Benzinverbrauchs-Effizienzgrenzwerten zwang. Der Caprice war ab dem Modelljahr 1975 erstmals mit dem 350 inÂł (5,7 Liter) V8-SBC mit 145 PS erhĂ€ltlich, der sich seit seinem Erscheinen im Modelljahr 1967 einen Namen als Compact- und Midsize-High Performance-Aggregat gemacht hatte. Gleichzeitig erhielten alle Motoren die elektronische âHigh Energy Ignitionâ HEI-ZĂŒndanlage, die im Vorjahr noch einigen wenigen âSportâ-Modellen vorbehalten gewesen war, auĂerdem wurden alle Fullsizes (auĂer SEO-Fahrzeugen) erstmals mit Radialreifen ausgeliefert.
1976
1976 war das letzte Modelljahr auf dem 121,5 Zoll-Rahmen. Ein Cabrio wurde nicht mehr angeboten.
3. Generation â Caprice / Caprice Classic (1977â1990)
Als Reaktion auf die Ălkrise von 1974, die durch das Ălembargo der OPEC im Zusammenhang mit dem Jom-Kippur-Krieg ausgelöst worden war, erlieĂ der US-Gesetzgeber 1975 weitreichende Flottenverbrauchsvorschriften fĂŒr die US-Autobauer. Der CAFE-Standard, fĂŒr âCorporate Average Fuel Economyâ, trat bereits zum Beginn des Modelljahres 1978 in Kraft. Da sich die Hersteller in der kurzen verbleibenden Zeit nicht in der Lage sahen, komplett neue Modelle oder wesentlich effizienzgesteigerte Motoren zur Serienreife zu bringen, wurden stattdessen existierende Modelle teilweise dramatisch verkleinert. Vorreiter in dieser Downsizing genannten Praxis war General Motors, dessen Flaggschiff-Baureihe, die Fullsize-Plattform (B-Body) bereits zum Modelljahr 1977 so dramatisch in GröĂe und Gewicht reduziert wurde, dass sie essentiell auf dem Leiterrahmen der Midsize-Plattform (A-Body) montiert werden konnte.
FĂŒr 1977 prĂ€sentierte GM so einen völlig neuen B-Body: Das Fullsize-Flaggschiff war jetzt kleiner und leichter als sein Midsize-Gegenpart (der erst zum Modelljahr 1978 selbst gedownsized wurde). Klare, rechteckige Linien und nur verhaltener Chromschmuck sollte ein Image von schlankeren, leichteren, effizienteren Fullsizes transportieren. Diese Formensprache, als Three-Box-Design bekannt, hatte GM schon zwei Jahre frĂŒher mit groĂem Erfolg am Cadillac Seville erprobt, jetzt wurde es auf die gesamte B-Plattform einschlieĂlich Pontiac Parisienne, Oldsmobile Delta 88 und Buick LeSabre ĂŒbertragen. Das neue Erscheinungsbild der groĂen Chevrolet-Limousine war so erfolgreich, dass dieses Three-Box-Design endgĂŒltig zum Leitmotiv fast des gesamten US-Limousinendesigns zwischen 1970 und den spĂ€ten Achtzigern wurde. Das Ford Fullsize-Modell LTD wurde 1979 quasi als Caprice-Kopie neu gestaltet, Chryslers Fullsize-Ersatzplattform, der Midsize-M-Body, hatte das Three-Box-Erscheinungsbild bereits ein Jahr nach Erscheinen des vergleichbar groĂen Cadillac Seville aufgegriffen.
1977
1977 hatte Chevrolet ein nagelneues Fullsize-Modell im Portfolio, das neben fast 300 Kilogramm Gewicht auch noch ein Trimlevel, eine Karosserieform und zwei Motorentypen eingebĂŒĂt hatte: Das Trimlevel âBel Airâ, welches seit 1950 auf Fullsize-Chevrolets verwendet wurde, war zum Modellwechsel 1977 ebenso eingestellt worden, wie der viertĂŒrige âSport Sedanâ ohne B-SĂ€ule und die Verwendung der seit 1965 erhĂ€ltlichen Mark IV-Motoren, die in Abgrenzung zum Small Block Chevrolet V8 (SBC) ĂŒblicherweise als Big Block-Motoren bezeichnet werden. Auch die unbeliebte 3. SBC-Familie, der 400 inÂł (6,6 Liter) âGiant Small Blockâ wurde aus dem Programm genommen.
Ăbrig blieben die Trimlevel Impala und Caprice Classic auf der neuen B-Plattform, die CAFE-konform nur noch 5,39 statt 5,66 Meter maĂ, und deren Gewicht von 1891 auf 1600 Kilogramm (in der Basisversion) gesunken war. Zum ersten Mal seit 1957 waren die Fullsize-Chevrolets nur mit den beiden âtraditionellenâ Chevrolet-Motoren, dem SBC und dem Reihensechszylinder, erhĂ€ltlich. Zur Wahl standen SBCs mit 5,0 (305 inÂł) und 5,7 Liter (350 inÂł) Hubraum und 145 respektive 170 PS, alternativ der bis nach 1929 rĂŒckverfolgbare Chevrolet Reihensechszylinder, mit 4,1 Liter (250 inÂł) Hubraum und 110 PS. Angeboten wurden beide Trimlevel als viertĂŒrige Limousine (Sedan), ein viertĂŒriger Kombi (Wagon) und ab der Mitte des Modelljahres auch ein zweitĂŒriges CoupĂ©. Der Reihensechszylinder war Basismotorisierung der Limousinen und CoupĂ©s, der 5,0 Liter V8 war Basismotorisierung fĂŒr alle Wagons, der 5,7-Liter-V8 optional fĂŒr alle Modelle. Sechszylinder waren mit der GM 7,5-Zoll-Hinterachse ausgerĂŒstet, Achtzylinder-Modelle erhielten die 8,5-Zoll-Achse. Sedans nutzten den traditionellen 4,75-Zoll-Felgen-Lochkreis, Wagons hatten 5-Zoll-Lochkreise.
ĂuĂerlich blieb die Verwandtschaft des âverkleinertenâ Fullsizes zum VorgĂ€ngermodell deutlich sichtbar: Scheinwerfer, KĂŒhlergrill und FrontstoĂstange waren bis auf die âWraparoundââSidemarker direkt an den VorgĂ€nger angelehnt, auch die AusfĂŒhrung der RĂŒckleuchten als drei Einheiten pro Seite entsprach dem VorgĂ€ngermodell. Im Innenraum war das Armaturenbrett mit dem ausgeprĂ€gten FĂŒhrerstand, der auch das Radio beinhaltete, einem flachen ArmaturentrĂ€ger mit mittigem Radio und HVAC-Bedienelementen (fĂŒr HEAT/VENT/AIR CONDITION) gewichen. Der traditionelle Fernlicht-FuĂschalter auf dem Kabinenboden war durch ein neuartiges Bedienelement an der LenksĂ€ule ersetzt worden, das Fahrtrichtungsanzeiger und Auf-/Abblendfunktion in einem einzigen âMultifunktionshebelâ zusammenfasste.
1978
FĂŒr 1978 erhielten beide Modelle einen leicht geĂ€nderten KĂŒhlergrill und, im Interesse geringeren Verbrauchs, lĂ€ngere HinterachsĂŒbersetzungen.
1980
FĂŒr das Modelljahr 1980 wurde die Frontpartie aller Modelle flacher gestaltet, um die Aerodynamik und damit den Verbrauch zu verbessern, gleichzeitig wurde das Heck der Sedan-Variante leicht angehoben. Statt den drei zusammengefassten RĂŒckleuchten hatten alle Sedans jetzt drei freistehende RĂŒckleuchten, die KĂŒhleröffnungen in der FrontstoĂstange entfielen, Caprice Classic trugen jetzt entsprechende SchriftzĂŒge an den vorderen KotflĂŒgeln. Bei den CoupĂ©s wich die gewölbte Heckscheibe einer planen Scheibe. Weitaus umfangreicher fielen die technischen VerĂ€nderungen aus: Um die CAFE-Vorgaben zu erfĂŒllen, war der 5,7-Liter-V8 (350 inÂł) nun ausschlieĂlich FlottenkĂ€ufern vorbehalten und nur noch mit dem Police Package (9C1) erhĂ€ltlich, welches wiederum nur auf dem Impala-Basismodell bestellt werden konnte. Neuer Spitzenmotor war der 5,0-Liter-V8 (305 inÂł), der fĂŒr diese Rolle einen Doppel-Register- anstelle des bisherigen einzelnen Doppelvergasers bekam und 155 PS leistete.
An seine Position als âkleinerâ V8 trat der neuentwickelte 4,4-Liter-V8 (267 inÂł) mit 115 PS. Dieser Motor stellt aufgrund seiner kleinen Bohrung (3,5 Zoll) eine eigene Familie in der Hierarchie der SBC-Motoren dar â die kurzlebigste in der Geschichte des SBC â und wurde bereits 1980 wieder eingestellt. Statt des Reihensechszylinder wurde jetzt ein 3,8-Liter-V6 (229 inÂł) mit 90° Zylinderanordnung angeboten, ebenfalls mit 115 PS. Dieser 90°-V6 war eine weitere Neuentwicklung â bislang hatte Chevrolet nur Reihensechszylinder produziert. Wie der 4,4-Liter-V8 hatte der 90°-V6 ebenfalls schon im Vorjahr auf den Midsize-Fahrzeugen der Marke Verwendung gefunden, und wie der 4,4-Liter-V8 ist auch der 90°-V6 ein SBC-Derivat, allerdings um zwei Zylinder gekĂŒrzt. Anders als der 4,4-Liter-V8 wurde die 90°-V6-Motorenfamilie zu einem der erfolgreichsten Chevrolet-Aggregate der Geschichte. Seine letzte Ausbaustufe wurde bis 2014 in Serie verwendet.
Als eine weitere Post-Ălkrisen-MaĂnahme war fĂŒr Wagons 1980 erstmals ein Dieselmotor mit 5,7 Liter (350 inÂł) Hubraum und 105 PS erhĂ€ltlich. Bei diesem neuartigen, alternativen Antriebskonzept handelte es sich allerdings trotz des Hubraums nicht um eine weitere Variante des Chevrolet-SBC-Designs, sondern um ein von Oldsmobile auf der Basis eines Oldsmobile-Ottomotors entwickeltes Aggregat. Geringes VerstĂ€ndnis fĂŒr Diesel-Motoren sowohl bei KĂ€ufern als auch bei Mechanikern gepaart mit erheblichen Problemen bei den Zylinderkopfdichtungen der ersten Produktionsversion bescherten dem Oldsmobile-Diesel nach anfĂ€nglichen Erfolgen einen jĂ€hen AbsatzrĂŒckgang. Heute gilt der Diesel-5,7 Liter als einer der schlechtesten jemals vom GM-Konzern verwendeten Motoren. Zur Auslieferung nach Kalifornien vorgesehene Caprice wurden wegen der dort geltenden strengeren Abgasvorschriften mit einem Buick-V6 anstelle des Chevrolet-V6 ausgerĂŒstet.
1981
Das Jahr 1981 markierte den Tief- und gleichzeitig einen Wendepunkt in der Post-Ălkrisen Fullsize-Geschichte: Die Rochester Quadrajet Doppel-Register-Vergaser der Baureihe wurden durch Rochester CCC-Quadrajets ersetzt, CCC fĂŒr Computer Command Control. Der CCC ist ein sogenannter elektronischer Feedback-Vergaser mit variabler Tauchnadelstellung â und damit das Bindeglied zwischen dem mechanischen Vergaser und der elektronischen Einspritzanlage. Die CCC-Technik reduzierte die Leistung der V6-Motoren und des 5,0-Liter-V8 um jeweils 5 PS. Zeitgleich wurde fĂŒr den 5,0 Liter ein neues Automatikgetriebe mit der Bezeichnung TH200-4R eingefĂŒhrt. Das TH200-4R verfĂŒgte ĂŒber vier statt den ĂŒblichen drei VorwĂ€rtsgĂ€ngen, auĂerdem war es mit einer elektrischen DrehmomentwandlerbrĂŒckung ausgerĂŒstet, beides technische Neuerungen, die so zuvor nicht verfĂŒgbar gewesen waren. AuĂerdem setzte Chevrolet fĂŒr Fahrzeuge mit dem TH200-4R eine Erkenntnis um, die bereits 1976 in Flottenfeldversuchen mit dem Los Angeles County Sheriffâs Department (LASD) erarbeitet worden war: AntriebsstrĂ€nge mit âlĂ€ngerenâ, numerisch niedrigeren HinterachsĂŒbersetzungen sind unter realen Bedingungen wesentlich weniger effizient als Berechnungsmodelle hatten vermuten lassen, weshalb die Viergang-Automatik ein Standard-Hinterachs-ĂbersetzungsverhĂ€ltnis von 3,08:1 erhielt.
1982
Das Impala-CoupĂ© entfiel 1982, den Caprice Classic gab es weiterhin zweitĂŒrig. Der Dieselmotor war jetzt ĂŒber die gesamte Palette lieferbar.
1983
Im Modelljahr 1983 wurde das Programm auf eine Impala-Limousine und den Caprice Classic als Limousine und Kombi zusammengestrichen. Auch den 4,4-Liter-V8 gab es nicht mehr.
1984
1984 wurde das Caprice Classic-CoupĂ© wieder eingefĂŒhrt. Die Viergangautomatik war mit sĂ€mtlichen Motoren kombinierbar.
1985
Das Modelljahr 1985 brachte weitreichende VerĂ€nderungen im Motoren Line-up mit sich. Der Basis-3,8-Liter-V6 (250 inÂł) entfiel, genauso wie der in Kalifornien verwendete Buick-V6. Beide wurden durch eine neue Ausbaustufe des 90°-V6 ersetzt, der jetzt ĂŒber 4,3 Liter (262 inÂł) Hubraum verfĂŒgte. Dieser Motor mit der Bezeichnung LB4 war mit einer Rochester-Zentraleinspritzung (TBI, fĂŒr Throttle Body Injection) ausgerĂŒstet und leistete 130 PS und somit 20 PS mehr als der 3,8 Liter des Vorjahres. Auch der LB4 ist ein SBC-Derivat, identisch in Hub und Bohrung mit dem 5,7-Liter-V8 (350 inÂł) SBC. Der 4,3 Liter war Standard-Motorisierung in allen Sedans und CoupĂ©s, und konnte optional mit dem TH200-R4 bestellt werden. Auch der 5,0-Liter-V8 (305 inÂł), der weiterhin Basismotor fĂŒr Wagons und optional fĂŒr Sedans und CoupĂ©s blieb, erfuhr VerĂ€nderungen: Die Verdichtung wurde von den seit Beginn der Katalysator-Ăra ĂŒblichen 8,6:1 auf 9,5:1 angehoben. Zeitgleich erhielt der V6 eine elektronische ZĂŒndzeitpunktsteuerung, zusammen mit einer ĂŒberarbeiteten Variante des erfolgreichen GM HEI (High Energy Ignition)-Verteilers, bei dem die ZĂŒndspule nicht lĂ€nger â wie bei der ersten HEI-Generation â in die Verteilerkappe integriert war. Der 5,0 Liter leistete jetzt 165 PS, und damit 15 PS mehr als im Vorjahr. Der Oldsmobile 5,7-Liter-Diesel wurde kurz nach Beginn des Modelljahres eingestellt.
1986
Zum Modelljahr 1986 wurde die bis vor den Zweiten Weltkrieg zurĂŒckreichende traditionelle amerikanische Trimlevel-Hierarchie fĂŒr den Chevrolet-Fullsize weitgehend aufgegeben. Der gĂŒnstige, auf FlottenkĂ€ufer ausgerichtete Impala, 1958 ursprĂŒnglich als Spitzentrimlevel eingefĂŒhrt und ĂŒber drei Jahrzehnte langsam zum Basistrimlevel herabgestuft, wurde eingestellt, so dass ab 1986 alle Chevrolet-Fullsizes âCapriceâ hieĂen, auch wenn sich die alte dreistufige Hierarchie zumindest in den Caprice-Ausstattungsvarianten Caprice, Caprice Classic und Caprice Classic Brougham widerspiegelte. Das Basis-Level âCapriceâ und die âBroughamâ-Ausstattung waren nur auf Sedans erhĂ€ltlich, Wagons und CoupĂ©s nur als âCaprice Classicâ. Mit dem Wegfall des Impalas wurde der Caprice auĂerdem erstmals TrĂ€ger der Special Equipment Options (SEO)-Pakete 9C1 (Police Package) und 9C6 (Taxi Package), die bislang traditionell dem niedrigsten Trimlevel der Baureihe vorbehalten waren.
ĂuĂerlich erhielt der Caprice eine Ăberarbeitung: Die bisher optisch mit dem KĂŒhlergrill eine Einheit bildenden Hauptscheinwerfer wurden durch VerschmĂ€lerung der opulenten Chromeinfassung âfreigestelltâ und waren jetzt rundherum in Wagenfarbe umschlossen. Der neue KĂŒhlergrill mit senkrechten statt den bisherigen waagrechten Rechtecken erfuhr die gleiche Behandlung, auĂerdem entfiel das Caprice-Haubenornament. Umgekehrt wurden am Heck die bisherigen sechs freistehenden RĂŒckleuchten zu zwei Dreifach-Einheiten mit je drei Kammern (und einem integrierten RĂŒckscheinwerfer pro Seite) zusammengefasst.
1987
1987 wurde der Caprice Classic neben dem âBroughamâ-Level auch noch als âBrougham LSâ verfĂŒgbar. Diese Variante verfĂŒgt ĂŒber ein âLandauâ Vinyldach ĂŒber dem hinteren Kabinenteil. Das Basis-Level âCapriceâ war jetzt auch auf Wagons verfĂŒgbar. FĂŒr alle Wagons wurde der 5,0-Liter-V8 (305 inÂł) SBC gestrichen und durch einen emissionsĂ€rmeren âKonzernmotorâ mit beinahe identischem Hubraum (307 inÂł) und 142 PS ersetzt. Dieser Motor ist ein Oldsmobile-Design und nicht mit dem 307 inÂł (5,0 Liter) V8-SBC zu verwechseln. Optisch erfuhr der Caprice eine wesentliche VerĂ€nderung: Statt der vier rechteckigen HauptscheinwerfergehĂ€use mit Sealed-Beam ScheinwerfereinsĂ€tzen bekamen alle Caprice zwei groĂe âCompositeâ-Kunststoff Scheinwerfer mit austauschbaren Leuchtmitteln â auĂerdem kehrte das im Vorjahr fehlende Haubenornament zurĂŒck. Bei den einflussreichen Fahrzeugbeschaffungstests der Michigan State Police schlug mit dem Caprice 9C1 1987 zum allerersten Mal ein Chevrolet die seit Beginn der Testreihe dominierenden Dodge- und Plymouth-Modelle des Chrysler-Konzerns.
Dramatische VerĂ€nderungen fanden sonst nur an den beiden Motoren der SBC-Familie statt, deren Ventiltriebe auf Rollen-HydrostöĂel umgestellt wurden. Alle SBC-Motoren erhielten gleichzeitig âCenter Boltâ-Ventildeckel mit vier entlang der Mitte des Deckels ausgerichteten Verschraubungen anstelle der seit 1955 auf den SBC verwendeten âPerimeterâ oder âRim Boltâ-Verschraubungen entlang der Ventildeckeldichtung. Der 5,0-Liter-V8 (305 inÂł) erreichte im Zuge dieser Revision eine Leistung von 170 PS.
1988
Zum Modelljahr 1988 fiel das CoupĂ© endgĂŒltig aus dem Line-up, Fullsizes waren jetzt alle ViertĂŒrer. Nach wie vor feilte Chevrolet am Versuch einer neuen, zeitgemĂ€Ăen Ausstattungs- und Modellhierarchie. Seit dem Wegfall des Impalas zwei Jahre frĂŒher stand fĂŒr das FlottenkĂ€ufer-Segment kein eigenes Modell mehr zur VerfĂŒgung â diese Aufgabe sollte nun die einfache Basis-Version âCapriceâ ĂŒbernehmen, die 1988 wieder dieser Marktausrichtung entsprechend nur noch als Limousine, nicht mehr als Kombi erhĂ€ltlich war. Das âCaprice Classicâ-Level dagegen war in Anlehnung an die frĂŒhere GM-Trimlevel-Hierarchie als Caprice Classic, Caprice Classic Brougham und Caprice Classic Brougham LS erhĂ€ltlich. Wagons wurden nur als âCaprice Classicâ angeboten. Alle zivilen Modelle verwendeten jetzt das Viergang-Automatikgetriebe TH200-R4.
Zum zweiten Mal gewann 1988 ein Caprice 9C1 die MSP-Fahrzeugtests in Michigan, und zum ersten Mal war erkennbar, das Leistung und Endgeschwindigkeit der Baureihe sich in einem AufwÀrtstrend befanden, zum ersten Mal seit der B-Body im CAFE-Ausnahmezustand gedownsized worden war.
1989
Auch 1989 war von Post-CAFE-Optimismus geprĂ€gt: Einziger Motor fĂŒr alle zivilen Sedans war jetzt der 5,0-Liter-V8 (305 inÂł), der in diesem Jahr ebenfalls mit der Rochester-TBI Zentraleinspritzung ausgerĂŒstet wurde. Der 5,7 Liter war weiterhin fĂŒr FlottenkĂ€ufer verfĂŒgbar, der V6 entfiel fĂŒr den zivilen Markt und konnte ebenfalls nur noch in SEO-Fahrzeugen (SEO fĂŒr Special Equipment Option) bestellt werden. Wagons nutzten weiterhin den Oldsmobile V8 mit 307 inÂł.
1990
1990 war ein verkĂŒrztes Modelljahr, da bereits Mitte des Jahres die Produktion der Nachfolgegeneration aufgenommen wurde. Wichtigste technische Ănderung fĂŒr 1990 war die EinfĂŒhrung eines âautomatischenâ Anschnallgurtsystems fĂŒr die vorderen Sitze. Der Gesetzgeber hatte die Autohersteller nach achtjĂ€hrigem Ringen um eine umsetzbare Vorschrift verpflichtet, Fahrzeuge ab Modelljahr 1990 entweder mit einem Fahrerairbag oder mindestens mit automatischen Anschnallgurten vorn auszustatten. Alle Fullsizes des Modelljahres haben deshalb an den VordertĂŒren statt an der B-SĂ€ule umgelenkte und angeschlagene Anschnallgurte, so dass Fahrer und Beifahrer den nach wie vor am Mitteltunnel angeschlossenen Gurt beim SchlieĂen der TĂŒren âautomatischâ angelegt bekommen. Dass diese spezielle Lösung funktionslos wird, wenn TĂŒren sich wĂ€hrend UnfĂ€llen oder ĂberschlĂ€gen öffnen,cite-ref-1[1] wurde nur wenig spĂ€ter zum Gegenstand einer Kongressanhörungcite-ref-2[2] und eines Zivilprozesses gegen General Motors.
4. Generation â Caprice / Caprice Classic / Caprice LS (1991â1996)
Am Ende der Achtziger stand die Zukunft der groĂen Chevrolet-Plattform mehr oder weniger in den Sternen. Der Fullsize B-Body war schon nicht mehr alleine marktbeherrschend, seit der GM-Konzern 1964 mit dem âIntermediateâ A-Body erstmals eine âmittelgroĂeâ Konzernplattform vorgestellt hatte. WĂ€hrend die schon 1962 eingefĂŒhrte, âkompakteâ X-Plattform (Chevy II / Nova) keine Bedrohung fĂŒr B-Body-StĂŒckzahlen darstellte, hatten AutokĂ€ufer mit dem A-Body ab 1964 (Chevelle) erstmals eine vertretbare Alternative zum traditionellen Fullsize-Automobil. 1971 erweiterte GM die Bandbreite der Fahrzeugklassen mit dem H-Body erneut nach unten ins âSub Compactâ-Segment (Vega / Monza), ab 1976 war General Motorsâ US-Version der âglobalenâ Sub-Compact-T-Plattform (Chevette) parallel auf dem US-Markt verfĂŒgbar, so dass der traditionelle B-Body schon in seiner 3. Generation (1977â1990) parallel zu gleich drei kleineren, heckgetriebenen (RWD) Chevrolet-Fahrzeugbaureihen angeboten wurde. Die traditionelle Wahrnehmung der Fullsize-Klasse als âRegular Sizeâ oder âNormalgröĂeâ deckte sich schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mit der StĂŒckzahlenrealitĂ€t auf dem US-Markt.
Unter dem anhaltenden Eindruck der Ălkrise und der CAFE-MaĂnahmen wurden ab 1978 die traditionellen Midsize- und Compact-Plattformen A und X auf dem US-Markt nach und nach durch neue, wesentlich kleinere, vorderradgetriebene (FWD) Modelle ersetzt, unter anderem durch die neuen FWD-A und -X Bodies. Der T-Body wurde fallengelassen, die H-Plattform durch den Chevrolet Cavalier auf dem J-Body ersetzt â der in Europa unter anderem als Opel Ascona verkauft wurde. Der Wegfall des Impala-Trimlevels zum Modelljahr 1986 wurde in der Ăffentlichkeit zudem als Abkehr des Herstellers von seiner letzten traditionellen RWD-Plattform gewertet. Im Modelljahr 1988 endete die Produktion der behelfsmĂ€Ăigen G-Plattform, auf der zuletzt noch einige wenige Midsize-Modelle des schon 1981 formell eingestellten RWD A-Bodys produziert worden waren.
Vor diesem Hintergrund hatte seit 1965 ein kontinuierlicher RĂŒckgang der Fullsize-VerkĂ€ufe (an immer Ă€lter werdende Fullsize-KĂ€ufer) stattgefunden, von mehr als 1,5 Millionen Fahrzeugen im Modelljahr 1965 auf zuletzt unter 200.000 Einheiten pro Modelljahr, und vor diesem Hintergrund war eine Neuauflage des traditionellen groĂen Chevrolets innerhalb des GM-Konzerns nicht unumstritten, da eine nennenswerte zukĂŒnftige Nachfrage fĂŒr die gesamte Fahrzeugklasse nicht lĂ€nger mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden konnte. Abgeholfen wurde dem schlieĂlich mit der Entscheidung, fĂŒr die 4. Generation die gesamte Technik der 3. Generation, einschlieĂlich des Bodenblechs der Fahrzeugkabine, 1:1 zu ĂŒbernehmen.
StĂŒckzahlen
| Modelljahr | | Gesamt Sedan | Werk Willow Run | Werk Arlington | | Gesamt Wagon | Werk Willow Run | Werk Arlington |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1991 | | 196.754 | 144.684 | 52.070 | | 13.600 | 13.600 | - |
| 1992 | | 103.379 | 47.994 | 55.385 | | 13.400 | 13.400 | - |
| 1993 | | 89.430 | 46.043 | 43.387 | | 10.546 | 10.490 | 56 |
| 1994 | | 96.919 | - | 96.919 | | 7.805 | - | 7.805 |
| 1995 | | 87.150 | - | 87.150 | | 5.361 | - | 5.361 |
| 1996 | | 94.594 | - | 94.594 | | 638 | - | 638 |
| Gesamt | | 668.226 | 238.721 | 434.455 | | 51.350 | 37.490 | 13.860 |
Motoren
| Bezeichnung | Hubraum [cm 3 ] | Hubraum [in 3 ] | Typ | Leistung [PS/kW] | Jahre | Getriebe | StĂŒckzahl (Sedan) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| LB4 | 4297 | 262 | V6 TBI | 130/96 | 1992-1993 | 4L60 | 3.394 |
| LO3 | 5002 | 305 | V8 TBI | 172/127 | 1991-1993 | 4L60 | 303.181 |
| LO5 | 5733 | 350 | V8 TBI | 180/132 | 1992-1993 | 4L60 | 9.196 |
| LO5 HO | 5733 | 350 | V8 TBI | 195/142 | 1991-1992 | 4L60 | 51.615 |
| LO5 HO | 5733 | 350 | V8 TBI | 205/151 | 1993 | 4L60 | 21.177 |
| L99 | 4346 | 265 | V8 SFI | 200/147 | 1994-1996 | 4L60E | 113.687 |
| LT1 | 5733 | 350 | V8 SFI | 264/194 | 1994-1996 | 4L60E | 164.976 |
Vehicle Identification Number (VIN)
Die Vehicle Identification Number, kurz VIN, ist eine in Nordamerika vom Hersteller vergebene Nummer zur eindeutigen Identifizierung eines Fahrzeuges. Bis 1981 folgten die US-Hersteller einem losen Format, seit 1981 ist die VIN 17-stellig und fĂŒr alle Hersteller bindend formatiert. Die VIN ist im Wesentlichen mit der in Deutschland verwendeten Fahrzeug-Identifizierungsnummer, kurz FIN, vergleichbar die ebenfalls 17 Stellen hat und auf den ersten drei Positionen bedeutungsgleich mit der VIN ist, im Ăbrigen aber einem andern Standard folgt.
| Position | 1 | 2 | 3 | 4 & 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12-17 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Beispiel | Herkunftsland | Hersteller | Markenbezeichnung | Modellreihe | Karosserieform | RĂŒckhaltesystem | Motorkennziffer | PrĂŒfziffer | Modelljahr | Werk | Seriennummer |
| 1991-1993 | 1 | G | 1 | BL | 5 | 3 | E | 9 | M | R | 140921 |
| | 1 = USA | G = GM | 1 = Chevrolet | BL = Caprice | 5 = 4-Door Sedan | 3 = Manual Belts/Driver SIR | E = 5.0 TBI V8 (LO3) | | M = 1991 | R = Arlington | |
| | | | | BN = Caprice Classic | 8 = 4-Door Wagon | | 7 = 5.7 TBI V8 (LO5) | | N = 1992 | W = Willow Run | |
| | | | | | | | Z = 4.3 TBI V6 (LB4) | | P = 1993 | | |
| 1994-1996 | 1 | G | 1 | BL | 5 | 2 | P | 0 | R | R | 191444 |
| | 1 = USA | G = GM | 1 = Chevrolet | BL = Caprice Classic | 5 = 4-Door Sedan | 2 = Manual Belts/Dual SIR | P = 5.7 SFI V8 (LT1) | | R = 1994 | R = Arlington | |
| | | | | BN = Caprice Classic LS | 8 = 4-Door Wagon | | W = 4.3 SFI V8 (L99) | | S = 1995 | | |
| | | | | | | | | | T = 1996 | | |
Modelljahre
1991
Im Herbst 1989 wurde erstmals seit 1977 eine neue Version des Caprice vorgestellt, die auf dem Fahrgestell und der Bodengruppe der VorgĂ€ngergeneration basierte, aber ĂŒber eine völlig neu gestaltete, aerodynamische Karosserie verfĂŒgte. Die Produktion des neuen Modells begann bereits im Februar 1990, so dass das Fahrzeug als vorgezogenes Modelljahr 1991 im MĂ€rz technisch betrachtet als 1990œ-Modell auf dem Markt erschien. Der âAeroâ-Caprice traf auf gemischte Marktreaktionen: Schon seit 1985 war die Zukunft von General Motorsâ Fullsize-Plattform auf dem Post-Ălkrisen-Fahrzeugmarkt der USA offen und öffentlich diskutiert worden, und eine Reihe von Berichterstattern hĂ€tten ein kleineres oder sogar kleineres und Vorderrad-angetriebenes GM-Flaggschiff, analog der neuen FWD X- und A-Plattformen fĂŒr wesentlich zeitgemĂ€Ăer gehalten. Dies fĂŒhrte zu erheblicher anfĂ€nglicher Kritik an dem sehr traditionellen â da von der 3. Generation vollumfĂ€nglich ĂŒbernommenen â technischen Layout der letzten B-Body-Generation, was das neue Modell aber nicht daran hinderte, die Verkaufserwartungen deutlich zu ĂŒbertreffen. Selbst europĂ€ische Berichterstatter bewerteten das neue Caprice-Modell durchaus positiv.cite-ref-3[3]
Zivilmodelle wurden im ersten Modelljahr ausschlieĂlich als Zentraleinspritzer mit LO3 5,0-Liter-TBI-V8 (305 inÂł) mit 170 PS ausgeliefert. FĂŒr die Polizeiversion (9C1) stand weiterhin Chevrolets berĂŒhmter 5,7-Liter-V8 (350 inÂł) zur VerfĂŒgung,cite-ref-4[4] anders als in der 3. Generation des Caprice allerdings jetzt ebenfalls als TBI (LO5) mit von 1991â1992 195 und im Modelljahr 1993 schlieĂlich mit 205 PS. Alle Fahrzeuge der Baureihe waren ausschlieĂlich mit dem 4L60 Automatikgetriebe (MD8) mit vier VorwĂ€rtsgĂ€ngen ausgerĂŒstet, welches unter der seiner alten Typbezeichnung TH700 schon seit 1983 in Police Package-Fahrzeugen verwendet worden war.
Als einzige wesentliche technische VerĂ€nderung im Vergleich zur 3. Generation erhielt der B-Body zur neuen âAeroâ-Karosserie ein Anti-Blockier-System von Bosch, dessen Steuerelektronik im Modelljahr 1991 noch offen im Kofferraum montiert war, da der neuen, unerprobten Technik wenig Vertrauen entgegengebracht wurde. Der Fahrer bekam einen ins Lenkrad integrierten Airbag â durch die ErfĂŒllung dieser gesetzlichen Anforderung konnten die problematischen TĂŒr-Anschnallgurte des Modelljahres 1990 entfallen.
Ab Oktober 1990, zum eigentlichen Beginn des Modelljahres 1991, wurde neben der viertĂŒrigen Limousine (Sedan, B19) auch eine Kombi-Variante (Wagon, B35) angeboten, wahlweise mit dritter Sitzreihe fĂŒr eine 6 + 2 Sitzplatzkonfiguration und mit einer neuen Ausbaustufe der traditionellen GM âDual Actionâ-Heckklappe, die sowohl als Klappe als auch als TĂŒr geöffnet werden kann. Eine Polizei-Version des Kombis wurde unter dem Optionscode 1A2 verkauft, die Ausstattungslevel hieĂen Caprice und Caprice Classic, die Sportversion des Sedan (mit Fahrwerks- und Bremskomponenten und dem Digitalen Tacho aus dem Polizeipaket) trug die Bezeichnung LTZ. âCaprice Classicâ war nur auf dem Sedan erhĂ€ltlich. âClassicâ-KĂ€ufer bekamen unter anderem Alufelgen, Kurvenfahrlicht, eine âhöherwertigeâ 55/45 geteilte Sitzbank vorn, Mittelarmlehnen vorn und hinten, ein farblich abgestimmtes âPinstripeâ auf beiden Fahrzeugseiten und âCaprice Classicâ-SchriftzĂŒge als Exklusivmerkmale, auĂerdem die sonst optionalen Leselampen am Innenspiegel und âSchminkspiegelâ in den Sonnenblenden sowie Zentralverriegelung als Standardausstattung. Nur Caprice Classic konnten mit der optionalen Lederausstattung bestellt werden.
KĂ€ufer konnten zwischen sechs AuĂenfarben wĂ€hlen: Bright Silver Metallic (13U), Black Sapphire Metallic (28U), White (40U), Black (41U), Dark Maple Red Metallic (78U) und Gunmetal Metallic (87U).
Dunkelblau, Rot, Grau und Beige waren in allen Varianten und Ausstattungslevel als Innenraumfarben erhĂ€ltlich, Stoff war das Standardmaterial, Leder optional, Vinyl und Stoff Vorne/Vinyl Hinten-Kombinationen waren fĂŒr Polizei- (9C1/1A2), Taxi- (9C6) und Flottenapplikationen (1AA) bestellbar. Stoff- und Vinyl-TĂŒrverkleidungen sind 1991 und 1992 im oberen Bereich senkrecht abgesteppt, das Muster ist in gleicher Breite auch auf den Sitzen und der RĂŒcksitzbank zu finden. Zivile Tachoinstrumente enden bei 80 mph (128 km/h), die Instrumente der Exportversionen zeigen 140 km/h. FrĂŒhe Produktionsmodelle, unter UmstĂ€nden sogar nur frĂŒhe in Willow Run produzierte Fahrzeuge, haben breite Schwarze âImpact Stripsâ auf den StoĂstangen. Diese Streifen sind sehr frĂŒh ersatzlos aus der Produktion verschwunden.
Alle Caprice der ModelljahrgĂ€nge 1991â1993 wurden sowohl im Werk Arlington in Texas, als auch im Werk âWillow Runâ in Michigan produziert. Bei dem Caprice, der 1991 vom US-Magazin Motor Trend den prestigetrĂ€chtigen Titel âCar of the Yearâ erhielt, handelte es sich um einen LTZ,cite-ref-5[5] nicht um die Standard-Zivilversion. âCar of the Yearâ in der Wagon-Klasse wurde 1991 ein Oldsmobile Custom Cruiser, technisch baugleich mit dem Chevrolet Caprice.
1992
1992 war der bislang der Polizei vorbehaltene 5,7 Liter in einer zivilen 180 PS-AusfĂŒhrung auch in zivilen Kombis und in der 195 PS-PolizeiausfĂŒhrung auch im LTZ verfĂŒgbar. Die PolizeiausfĂŒhrung, stellenweise in der GM-Werksliteratur auch als HO fĂŒr âHigh Outputâ bezeichnet, unterscheidet sich von der zivilen Version unter anderem durch den ungedĂ€mmten Ansaugtrakt, gröĂere EinspritzdĂŒsen und andere ZĂŒndkerzen, hauptsĂ€chlich aber durch eine geĂ€nderte Nockenwellecite-ref-6[6] Taxi-FlottenkĂ€ufer konnten 1992 und 1993 das Taximodell (9C6) unter bestimmten Einkaufsbedingungen mit dem 4,3-Liter-LB4-V6 (statt dem 5,0-Liter-V8) bestellen, der schon in der VorgĂ€ngergeneration erhĂ€ltlich gewesen war. Anders als in der 3. Generation bekamen LB4-KĂ€ufer allerdings kein abgespecktes V6- sondern ein vollwertiges V8-Chassis mit 8,5 Zoll Hinterachse und 11 Zoll Trommelbremsen hinten.cite-ref-7[7]
Schon fĂŒr 1991 hatte Chevrolet zwei verschiedene Exportversionen fĂŒr Europa und den Nahen Osten produziert, 1992 und möglicherweise 1993 war ĂŒber das Opel-HĂ€ndlernetz anstelle des bisherigen europĂ€ischen Exportmodells ein speziell auf die BedĂŒrfnisse des deutschen Markts zugeschnittenes drittes Exportmodell erhĂ€ltlich, das unter anderem ĂŒber auffĂ€llige orangefarbene Fahrtrichtungsanzeiger hinten und in die StoĂfĂ€nger eingelassene Nebelschlussleuchten verfĂŒgt. Dieses Version wird oft fĂ€lschlicherweise fĂŒr das âEuropamodellâ gehalten â tatsĂ€chlich ist die einfachere âMarketing Area Europeâ (MAE)-Version mit wahrscheinlich 397 produzierten Einheiten wesentlich weiter verbreitet. Die einfache Version verfĂŒgt ĂŒber km/h-Instrumentierung und hat keine dritte Bremsleuchte. Dagegen gehen die Detailmodifikationen des âdeutschenâ Modells wesentlich weiter: Glasscheinwerfer, klappbare AuĂenspiegel, Abschleppösen vorne und hinten, Gurtschlösser mit leuchtfarbenen Entriegelungstasten, eine Scheinwerferwaschanlage, Zierleisten an der Haubenabschlusskante und ein liegendes Haubenabzeichen anstelle des traditionellen, aufrecht stehenden Bowtie-Haubenemblems sind die Hauptmerkmale, auĂerdem wurden im Innenraum alle chrombeschichteten Plastikschalter durch unbeschichtete schwarze Plastikschalter ersetzt und eine Gummipolsterung um das ZĂŒndschloss angebracht. Ăber die produzierten StĂŒckzahlen herrscht Unklarheit: GM-Aufzeichnungen deuten auf 117 im Modelljahr 1992 hergestellte Sedans hin, die Aufzeichnungen fĂŒr 1993 sind nicht eindeutig, dafĂŒr wurde offenbar ein einzelnes Fahrzeug des Modelljahres 1991 in âDeutschlandâ-Konfiguration gebaut. Alle europĂ€ischen Export-AusfĂŒhrungen zusammen haben so lediglich eine dreistellige StĂŒckzahl erreicht, wĂ€hrend runde 20 % der Gesamt-Caprice-Produktion in den Nahen Osten geliefert wurde. Weitere 5 % waren fĂŒr den kanadischen Markt bestimmt.
Die Geschichte der Exportmodelle ist kaum dokumentiert. Das von General Motors fĂŒr 1992 veröffentlichte âExportâ-Service Manualcite-ref-8[8] beschreibt ausschlieĂlich die âdeutscheâ Exportversion und erwĂ€hnt keine anderen marktspezifischen AusfĂŒhrungen. Anders als die amerikanischen Ausgaben des Service Manuals hat das Export-Manual trotz gleichlautendem Herausgeber und gleicher Einbandgestaltung ein âGM ODCâ-Logo fĂŒr die GM Overseas Distribution Corporation auf dem Einband, welcher zu diesem Zeitpunkt alle Caprice-ExportmĂ€rkte mit Ausnahme Kanadas unterstanden.
Die Auswahl an AuĂenfarben wuchs fĂŒr 1992 von sechs auf zehn: Dark Green Gray Metallic (18U), Light Sapphire Metallic (22U), Light Gold Metallic (67U) und Flame Red Metallic (74U) kamen neu ins Programm.
Die optischen VerĂ€nderungen am US-Modells fĂŒr 1992 waren geringfĂŒgiger Natur: B-SĂ€ulen waren jetzt in Wagenfarbe lackiert (statt schwarz foliert wie im Vorjahr), das ABS-SteuergerĂ€t wurde fĂŒr 1992 unter dem Armaturenbrett statt im Kofferraum montiert und die âHolzâ-Applikationen am Armaturenbrett und auf den TĂŒrverkleidungen erhielten ein helleres âWurzelholzâ-Muster. Der ABS-Schriftzug links am Heck entfiel am Ende des Modelljahres. Die Innenraumfarbe Rot unterscheidet sich 1992 geringfĂŒgig vom Rot des Modelljahrs 1991, die Skala der zivilen Tachoinstrumente reicht ab 1992 bis 100 mph (160 km/h), Exporttachos enden bei 200 km/h. Mindestens eine WerbebroschĂŒre fĂŒr die MAE-Version fĂŒr 1992 zeigt ein Tachoinstrument, das bei 180 km/h endet.
1993
FĂŒr 1993 erfuhr der Caprice eine deutlich aufwĂ€ndigere optische Ăberarbeitung, unter anderem wurden die aerodynamisch gestalteten hinteren RadkĂ€sten geöffnet, das Heck mit einer transversen Chromzierleiste und neuen RĂŒckleuchten ohne horizontalen Chromtrim versehen, und der Grill um einen âChevroletâ-Schriftzug ergĂ€nzt. Die bisherige unterste Ausstattungsvariante âCapriceâ entfiel, âCaprice Classicâ wurde beibehalten und nach oben durch âCaprice LSâ ergĂ€nzt. Innenraumfarben und Dekor blieben unverĂ€ndert. Autos, die mit Stahlfelgen bestellt wurden, waren ab 1993 mit gebĂŒrsteten Edelstahl-Radkappen ausgestattet, nachdem sich die Befestigungsclips der Plastik-Radkappen der Modelljahre 1991 und 1992 als unzufriedenstellend erwiesen hatten, was den frĂŒhen Zierblenden den Beinamen âFrisbeeâ (und eine kostenlose Umtauschaktion des Herstellers) eingebracht hat. Die Absteppungen auf den TĂŒrverkleidungen entfielen, die Absteppungen auf den Sitzpolstern sind ab 1993 doppelt so breit wie 1991â1992. Die Innenraumfarbe Rot entspricht nach dem Umweg von 1992 wieder der des Modelljahres 1991.
1993 wurden elf AuĂenfarben angeboten, neu dazugekommen waren Light Driftwood Metallic (33U), Medium Garnet Red Metallic (72U), Dark Cherry Metallic (77U) und Purple Pearl Metallic (91U), nicht lĂ€nger erhĂ€ltlich waren die Vorjahresfarben Light Gold Metallic (67U) und Flame Red Metallic (74U) sowie das Dark Maple Red Metallic (78U) von 1991.
Police Package-Fahrzeuge erhielten fĂŒr 1993 eine Ausbaustufe der âPolice Onlyâ-Variante des LO5 5,7-Liter-V8 mit 205 PS, und auch erstmals einen AnsaugluftschalldĂ€mpfer, mit dem bisher nur zivile Fahrzeuge ausgerĂŒstet gewesen waren.
1994
FĂŒr 1994 wurde die Produktion des Caprices auf Arlington, Texas als einziges Werk konzentriert. Die Herstellung von Exportmodellen fĂŒr Europa wurde aufgegeben. Die gesamte Modellpalette wurde von Chevrolets ehrwĂŒrdigem Generation 1-Small Block V8 (1955â2002) auf den brandneuen Generation 2-V8 (1992â1997) umgestellt, der als 4,3 Liter (L99) mit 200 PS und 5,7 Liter (LT1) mit 264 PS erhĂ€ltlich war.
Besonders der LT1 ist dabei von erheblicher Verwirrung umgeben, da die Chevrolet Corvette (Y-Body) bereits 1992 und der Chevrolet Camaro (F-Body) 1993 auf Generation 2-Motoren gewechselt hatten, und zeitgenössische Beobachter nicht in der Lage waren, die neuen Aggregate der Fullsize-Baureihe von den Generation 2-Maschinen der sportlichen GM-Produkte zu differenzieren. LT1 ist als modellspezifischer Optionscode fĂŒr alle GM 5,7-Liter-MPFI V8-Motoren der Ăra,cite-ref-9[9] ungeachtet ihrer spezifischen Beschaffenheit zu verstehen, nicht als Bezeichnung fĂŒr einen einzelnen, bestimmten Motor. Der B-Body-LT1 teilt sich mit dem Corvette-LT1 weder den Block, noch die Zylinderköpfe, noch die AnsaugbrĂŒcke oder Nockenwelle und auch sonst keine wesentlichen Teile â dennoch ist der Irrtum der frĂŒhen Berichterstatter bis heute zu einem populĂ€ren Mythos ausgeufert, der Caprice ab 1994 zu âFullsizes mit Corvette-Maschineâ erklĂ€rt.
WĂ€hrend der L99 als Standardmotorisierung fĂŒr den Sedan diente, erhielten alle Kombis den LT1. FĂŒr alle Sedans auĂer dem Taxi-Paket (9C6) war der LT1 optional. Zivile KĂ€ufer mussten das B4U âSportpaketâ bestellen, um den LT1 als optionalen Motor auswĂ€hlen zu können. Mit den neuen Motoren wurde auch eine neue Ausbaustufe des 4-Gang-Automatikgetriebes eingefĂŒhrt, das 4L60E, als Nachfolger des 4L60 von 1991â1993. Da die Wasserpumpen der Generation 2-Motoren von einer Welle ĂŒber einen Nockenwellenantrieb betrieben wurden und nicht mehr ĂŒber eine Riemenscheibe verfĂŒgten, wurde der traditionelle zentrale mechanische KĂŒhlerlĂŒfter der Generation 1-Motoren durch zwei elektrische KĂŒhlerlĂŒfter direkt hinter dem HauptkĂŒhler ersetzt. Einzig Fahrzeuge mit dem optionalen Heavy-Duty-KĂŒhlerpaket waren noch mit einem seitlich versetzten, kleinen mechanischen LĂŒfter neben einem einzelnen elektrischen LĂŒfter ausgestattet.
Im Innenraum erhielt die Baureihe ein völlig neugestaltetes Armaturenbrett mit neuem Lenkrad, Beifahrer-Airbag, neuen Anzeigeinstrumenten und einem digitalen Tacho. Blau (Medium Adriatic Blue) war die vorherrschende Innenraumfarbe und ersetzte das bisher angebotene Dark Adriatic Blue. Rot, Beige und Grau waren ebenfalls erhĂ€ltlich, die bisherige Auswahl an Stoff, Leder und Vinyl wurde aufrechterhalten â allerdings waren Einzelsitze vorne jetzt Standard anstelle der Sitzbank in âSpecial Equipment Optionsâ (SEO)-Fahrzeugen wie dem Polizei- und dem Taxipaket.
1994 waren zehn AuĂenfarben verfĂŒgbar. Bright Silver Metallic (13U) wurde durch Light Gray Metallic (14U) ersetzt, White (40U) durch Bright White (16U). Anstelle von Light Sapphire Metallic (22U) und Black Sapphire Metallic (28U) traten Medium Adriatic Blue Metallic (30U) und Light Adriatic Blue Metallic (36U). Gunmetal Metallic (87U) wurde nicht lĂ€nger angeboten.
Ebenfalls fĂŒr 1994 wurde der sportliche LTZ fĂŒr den Heimatmarkt und fĂŒr Europa eingestellt, und durch den Impala SS (WX3) ersetzt, der zuerst nur in Schwarz erhĂ€ltlich war. LT1 5,7-Liter-V8, 17-Zoll-Felgen, Differentialsperre nebst einer HinterachsĂŒbersetzung von 3,08:1, graue Lederausstattung mit integrierten FrontkopfstĂŒtzen, Heckspoiler, DeCarbon-StoĂdĂ€mpfer, 1-Zoll-Werkstieferlegung (25,4 mm) im Vergleich zum Zivilmodell (2 Zoll im Vergleich zum 9C1) und die hinteren Scheibenbremsen vom Polizeimodell 9C1 machten den SS zu einem âInstantklassikerâ, der vor allem bei Ă€lteren KĂ€uferncite-ref-10[10] beliebt war, die sich noch an den letzten Impala SS von 1969 erinnern konnten. FĂŒr den Exportmarkt im Nahen Osten wurde der LTZ beibehalten und um eine lokale Version des Impala SS ergĂ€nzt, den Caprice SS (WX8), der auf verbleites Benzin ausgelegt war und keine Katalysatoren hatte, was ihn zum schnellsten Modell der gesamten Baureihe macht. Die 9C1-Version des Caprice erhielt fĂŒr 1994 neben serienmĂ€Ăigen Einzelsitzen auch als erster GM-Fullsize in der Geschichte Scheibenbremsen auf der Hinterachse. Das Polizeifahrwerk (7B3) erhielt eine Ăberarbeitung, bei dem unter anderem die langen StoĂdĂ€mpfer der Modelle 1991â1993 stark gekĂŒrzt wurden, und die auffĂ€llige verschraubbare Nabenkappe mit der Bezeichnung N92 auf einem neugestalteten Heavy-Duty-Stahlrad (N97) zum Einsatz kam. FlottenkĂ€ufer von 9C1-LT1-Fahrzeugen konnten optional Fahrzeuge ohne Geschwindigkeitsbegrenzung bestellen, sofern Reifen im Format 235/70R15V gewĂ€hlt wurden, 9C1-LT1 mit dem Standard-Format 225/70R15H wurden elektronisch bei 130 mph (208 km/h) abgeregelt, Zivilfahrzeuge (auĂer den WX3 und WX8) bei 108 mph (177 km/h). âEigentlich können Sie Ihren FĂŒhrerschein gleich abgebenâ titelte ein US-Automagazin im Hinblick auf die Fahrleistungen der im Rahmen der MSP-Test mit 143 mph (230 km/h) gemessenen Polizeiversion. Damit war der Police-Package-ViertĂŒrer fast 10 km/h schneller als der Ford Mustang Special Service Package (SSP), der wĂ€hrend des CAFE-Jahrzehnts das einzige schnelle Polizeifahrzeug aus amerikanischer Produktion gewesen war.
1995
FĂŒr 1995 wurde ein letztes Ăberbleibsel des originalen âAeroâ-Designs aus dem Erscheinungsbild des Caprice entfernt: Der Caprice hatte ab 1995 groĂe AuĂenspiegel an der Vorderkante der Seitenfenster, wo bisher kleine âAero Podâ-Spiegel auf der TĂŒrhaut gewesen waren. AuĂerdem wurde die C-SĂ€ule unten nach vorne gezogen â ein rein optisches, ab 1995 in das Karosserieblech integrierte Designelement, das der Impala SS 1994 mit einer Plastikblende ĂŒber der hintersten Seitenscheibe erzeugt hatte.
Die Motoren- und Getriebeauswahl blieb fĂŒr 1995 unverĂ€ndert. Unter der Haube wich das bisherige Layout der Brems- und ABS-Leitungen einer neuen Verlegung, die das rostanfĂ€llige LeitungsbĂŒndel ĂŒber dem linken oberen Querlenker durch mehrere einzelne StrĂ€nge ersetzte. Der obere Ausgleichsschlauch zwischen KĂŒhler und KĂŒhlerreservoir entfiel ersatzlos. Die WX3 und WX8 waren ab 1995 auch weiterhin nur mit grauer Leder-Innenausstattung aber auĂen zusĂ€tzlich in Dark Green Grey Metallic (DGGM) und Dark Cherry Metallic (DCM) erhĂ€ltlich, was rĂŒckwirkend dazu gefĂŒhrt hat, dass die ehemals einzige AuĂenfarbe Schwarz unter Enthusiasten als âBBBâ bezeichnet wird. Ebenfalls fĂŒr 1995 erhielt die gesamte Baureihe neu gestaltete Radios, Stoffsitze in Zivilmodellen haben ab 1995 stark zeitgenössische Zusatz-Farbmuster.
Die Farbauswahl fĂŒr Zivilmodelle entspricht der von 1994, auĂer das Light Gray Metallic (14U) durch Granite Gray Metallic (03U) ersetzt wurde.
Production Sequence Number 100020 des Modelljahres, ein LT1-9C1 und zwanzigstes der insgesamt 21 von GM produzierten Vorserienautos fĂŒr die letzte optische Ăberarbeitung der Modellreihe, hat ĂŒberlebt und war von 2003 bis 2008 in der GM Heritage Collection in Detroit ausgestellt â es befindet sich inzwischen in einer deutschen B-Body-Sammlung.
1996
FĂŒr 1996 wurde die gesamte Baureihe auf den zum Modelljahr 1996 in den USA zwingend vorgeschriebenen OBD-II-Standard umgestellt. Dies bedeutet neben einem komplexeren Motormanagement auch die Verwendung von vier anstelle der bisherigen zwei Lambda-Sonden. Motor und Getriebe wurden beibehalten, im Innenraum wurde Grau anstelle von Blau zur Standardfarbe, alle Stoffsitze in Polizeifahrzeugen haben ab 1996 Vinyl-Wangen. Ansonsten unterscheiden sich die Modelle 1995 und 1996 nur dadurch, dass die Plattformbezeichnung âBâ fĂŒr 1996 nach 37 Jahren in âGMT 300â geĂ€ndert wurde, und das in diesem Zug geĂ€nderte Format des Service Parts Identification Label im Kofferraumdeckel. 1996 war auĂerdem erstmals keine Kombi-Version des Polizeimodells (1A2) mehr erhĂ€ltlich.
AuĂer dem Wegfall von Purple Pearl Metallic (91U) blieb die Palette der angebotenen AuĂenfarben unverĂ€ndert.
Einzig die WX3 und WX8 erfuhren eine Aufwertung: Das digitale Anzeigeninstrument, welches sich alle Modelle der Baureihe teilten, wurde in den âSSâ-Modellen gegen ein vollstĂ€ndig analog instrumentiertes Cockpit mit Drehzahlmesser ersetzt, gleichzeitig wanderte der Automatik-Wahlhebel von der LenksĂ€ule auf die Mittelkonsole. FĂŒr 1996 trat der Caprice 9C1 zum letzten Mal bei den Fahrzeugtests der Michigan State Police (MSP) an, mit dem erklĂ€rten Ziel, den sechsstufigen Testprozess zum 10. Mal in Folge zu gewinnen. Diese Absicht fĂŒhrte an anderer Stelle zur Entsendung eines speziell vorbereiteten Testfahrzeuges durch Volvo, und dem dritten Versuch von Volvo seit 1975, auf dem US-Flottenmarkt FuĂ zu fassen. Das Aufeinandertreffen des Chevrolet Caprice 9C1 und des Volvo 850 Turbo wĂ€hrend der MSP-Tests fĂŒr 1996 am 16. September 1995 wird unter Enthusiasten heute noch als der Showdown zwischen dem US- und dem europĂ€ischen Automobilbau des 20. Jahrhunderts gewertet. Das Ergebnis des MSP-Tests hat Fotograf Tom Yates fĂŒr die Ewigkeit festgehalten â sein bekanntes Bild zeigt Chevrolet Special Vehicle Division-Ingenieure im Test-Caprice auf dem Chrysler-Rundkurs in Chelsea, Michigan, die uneinholbar in FĂŒhrung liegend auf dem Weg zum 6:0-Sieg die Chevrolet Special Vehicles-Flagge aus dem Beifahrerfenster des Testwagens gehisst haben.cite-ref-11[11]
Kurzfristig wurde 1996 die Entscheidung getroffen, das Werk Arlington nur noch zur SUV-Produktion zu nutzen. Das bevorstehende Modelljahr 1997 des Caprice wurde nicht mehr produziert, der fĂŒr 1997 geplante Impala SS in der Farbe Medium Marble Metallic (MMM) ist trotz bereits angelaufener Teileproduktioncite-ref-12[12] nie erschienen. General Motors verlĂ€ngerte das auslaufende Modelljahr 1996 um fast drei Monate, um bestehende Bestellungen abzuarbeiten, bis am 13. Dezember 1996 um 14:32 Uhr Ortszeit die Produktion der Chevrolet-Fullsize-Baureihe in den Vereinigten Staaten nach mehr als 40 Jahren eingestellt wurde.
Mit dem Caprice zusammen wurde der B-Body Buick Roadmaster, und der auf dem technisch fast identischen D-Body basierende Cadillac Fleetwood Brougham eingestellt. Der Oldsmobile Custom Cruiser war bereits am Ende des Modelljahres 1992 vom Markt genommen worden. Heute werden in Arlington nach wie vor die Full-Size-SUVs (Cadillac Escalade, Chevrolet Tahoe) hergestellt.
Two-Gen Motoren: LT1 / L99
Die ab 1994 auf dem Caprice verfĂŒgbaren âGeneration IIâ-Motoren sind Gegenstand erheblicher Verwirrungen. Dies ist unter anderem darin begrĂŒndet, dass Chevrolet von 1955 bis 1997 kontinuierlich am Grundblockdesign einer einzigen V8-Motorenfamilie festgehalten hat. Diese erste Generation, ursprĂŒnglich bezeichnet als âSmall Block Chevroletâ, ist der definierende Motor des amerikanischen Automobilbaus, und mit weit ĂŒber 100.000.000 produzierten Einheiten der meistgebaute Pkw-Motor der Geschichte. Erst 1997 sind die Generation I-Motoren in der Serie nach und nach durch Generation III-Motoren ersetzt worden, seit 2003 findet die Generation I keine Verwendung mehr, als âCrate Engineâ wird der SBC aber weiter hergestellt. Im Gegensatz zur fast 50-jĂ€hrigen Verwendungsgeschichte der Generation I ist die Generation II nur sechs Modelljahre lang â und parallel zur Gen I erhĂ€ltlich gewesen, 1992 bis 1997, was ihr den Beinamen âVergessene Generationâ oder âVerlorener Smallblockâ eingebracht hat. âTwo Genâ, âTwo-Genâ, â2nd Genâ oder âGeneration IIâ werden synonym verwendet.
Two-Gen-Motoren unterscheiden sich von der ersten Generation in erster Linie durch die geĂ€nderte KĂŒhlung: Der KĂŒhlkreislauf der Generation I lĂ€uft Pumpe > Motorblock > Zylinderköpfe > HauptkĂŒhler, wĂ€hrend Two-Gen-Motoren ârĂŒckwĂ€rtsâ kĂŒhlen: Pumpe > Zylinderköpfe > Block > HauptkĂŒhler â auĂerdem wird die Two-Gen-Wasserpumpe von einem Nockenwellenabtrieb durch die RĂŒckseite des GehĂ€uses betrieben, und nicht ĂŒber eine Riemenscheibe von der Kurbelwelle. Der ZĂŒndverteiler der Generation I ist oben am rĂŒckwĂ€rtigen Ende des Blocks durch die Ansaugspinne montiert und bildet gleichzeitig Teil des Ălpumpenantriebs. Die Generation II verwendet einen flachen, optisch gesteuerten âPfannkuchenâ-Verteiler mit der Bezeichnung âOptisparkâ, der direkt von vorne auf die Nockenwelle aufgesteckt wird. Beide Ănderungen haben wesentlich zur extremen Leistungsausbeute der Two-Gen-Motoren beigetragen, wurden von Enthusiasten mit mehr als 35 Jahren SBC-Erfahrung aber kaum wohlwollend begrĂŒĂt. Eine DesignschwĂ€che der ersten Version des Optispark hat zusĂ€tzlichen Anlass zu Kritik am Two-Gen-Design geschaffen â auch wenn dieser Fehler bereits 1993 korrigiert wurde, werden dem Optispark bis heute â völlig zu Unrecht â erhebliche technische SchwĂ€chen nachgesagt.
Two-Gen-Verwendung beschrĂ€nkte sich auf drei Plattformen, GM Y (Chevrolet Corvette), GM F (Chevrolet Camaro / Pontiac Firebird) und GM B (Chevrolet Caprice, Buick Roadmaster). Produziert wurden zwei verschiedene HubrĂ€ume, ein 4,3-Liter-L99 (265 inÂł), sowie ein 5,7-Liter-LT1 (350 inÂł), der in der Corvette (und dem Camaro SS) in leicht abgewandelter Form auch als LT4 (1997) erhĂ€ltlich war. Der L99 wurde auch als CNG-Version angeboten und war nur im Caprice verfĂŒgbar, alle Buick Roadmaster nutzten den LT1.
Es kann nicht ĂŒberbetont werden, dass es sich bei den LT1 fĂŒr die Y-, F- und B-Plattform um drei verschiedene Motoren handelt, die das gleiche Blockdesign â aber verschiedene Blöcke (und Zylinderköpfe, Nockenwellen, Ventiltriebe etc.) verwenden. Enthusiasten sind meist in der Lage, zu verstehen, dass die Corvette zwischen 1955 und 1991 mit verschiedenen 350 inÂł-SBCs ausgeliefert wurde, ohne dass dadurch alle anderen 350 inÂł SBC automatisch zu Corvette-Motoren werden. Die gleiche Logik wird der Generation II allerdings hartnĂ€ckig verwehrt â in zeitgenössischer und gegenwĂ€rtiger Berichterstattung wird LT1 fast immer mit âCorvette-Motorâ gleichgesetzt, auch wenn sich die Corvette-LT1 und die B-Body-LT1 noch nicht einmal den Motorblock teilen.
Ein Ursache fĂŒr den hartnĂ€ckigen Irrglauben ist in einer Eigenheit des GM Regular Production Option (RPO)-Katalogs zu suchen: Option Codes sind generischen Inhaltes, aber fahrzeugspezifisch in der Verwendung â der Code T90 etwa steht fĂŒr âLAMP, SIGNALING & MARKER, EXPORTâ und beschreibt allgemein Fahrtrichtungsanzeigeeinheiten in exportspezifischer Ausstattung â in diesem Fall mit gelben Fahrtrichtungsanzeigern. T90 wurde auf allen exportierten GM-Modellreihen genutzt, unter anderem dem Caprice und dem Camaro â ohne dass sich deren RĂŒckleuchten im geringsten Ă€hnlich sind. T90 (Caprice) ist ein völlig anders Bauteil als T90 (Camaro), aber beide erfĂŒllen die Definition âLamp, Signaling & Marker, Exportâ.
Gleiches gilt fĂŒr den Option Code LT1 â âENGINE GAS, 8 CYLINDER, 5.7L, MULTIPOINT FUEL INJECTION, HIGH OUTPUTâ, der alle verschiedenen Versionen der Definition umfasst, ohne dass diese notwendigerweise baugleich sind.
Package Cars: Special Equipment Options 9C1, 9C6, 1A2
Von 1991 bis 1996 waren die Caprice-Modelle (wie auch die VorgĂ€ngergeneration) mit einer Reihe von Optionspaketen bestellbar. FĂŒr alle Fahrzeuge und alle KĂ€ufer stand grundsĂ€tzlich ein Katalog aus meist aufpreispflichtigen Optionen und Optionspaketen zur VerfĂŒgung, sogenannten Regular Production Options (RPO), die Teilweise bereits zu âPaketenâ zusammengefasst bestellt werden konnten, etwa das âSportpaketâ B4U. Unter bestimmten Voraussetzungen konnten KĂ€ufer aber auch bestimmte Grundpakete bestellen, die neben einer Reihe von speziell zusammengestellten RPOs auch âPaketeâ aus sogenannten, nicht frei bestellbaren Special Equipment Options (SEO) beinhalteten, und zudem weitere (wiederum aufpreispflichtige) Optionen aus dem SEO-Katalog verfĂŒgbar machten.
Die drei wichtigsten auf der vierten Generation Caprice verfĂŒgbaren SEO-Paket waren:
âą 9C1 (Police Package)
âą 9C6 (Taxi Package)
âą 1A2 (Special Service Wagon)
Selbst innerhalb der GM-Werksliteratur herrscht Uneinigkeit ĂŒber die genaue Bezeichnung der einzelnen Pakete. Im Sprachgebrauch hat sich âPolice Packageâ (bzw. âTaxi Packageâ) etabliert, wĂ€hrend nach dem technischen Aufbau des GM-Bestellsystems âSEO Identification Police Carâ die korrekteste Bezeichnung wĂ€re. Die interne GM âMasterlisteâ fĂŒr alle RPO/SEO verwendete âSEO Police Vehicleâ, wĂ€hrend der Chevrolet-Teilekatalog fĂŒr den Caprice â9C1â als âPolice Carâ aufschlĂŒsselt. FĂŒr das 1A2-Paket wurde auch die Bezeichnung âPublic Service Vehicleâ verwendet. Sicher nicht korrekt ist die manchmal gebrauchte Bezeichnung âPolice Package Wagonâ, da die 1A2-Kombis explizit kein volles âPoliceâ-Rating besaĂen, analog etwa den SSP und B4C-Paketen fĂŒr den Ford Mustang und den Chevrolet Camaro, oder der âScout Carâ-Einstufung fĂŒr verschiedene Chrysler FWD-Produkte. Ein vergleichbares Paket wurde auf der Caprice-Limousine nicht angeboten, war aber z. B. fĂŒr den Chevrolet Lumina oder den spĂ€teren W-Body als 9C3 âPolice Vehicle, Limited Contentâ verfĂŒgbar.
Technisch betrachtet reicht das Chevrolet Police Package auf eine Zeit zurĂŒck, in der Polizeifahrzeuge in erster Linie zusĂ€tzliche LadekapazitĂ€t und Stromversorgung fĂŒr zeitgenössisch sehr schwere FunkausrĂŒstung benötigt haben. Erst in den Sechzigern wurden die Pakete zur âGo Fastâ-Optionierung, und schon in den Siebzigern ist âPolice Packageâ meist nur noch gleichbedeutend mit âgĂŒnstigâ und âausgenommen von Emissionsvorschriftenâ â letzteres ein ZugestĂ€ndnis des Gesetzgebers an polizeiliche Einsatzbedingungen in der Ăra des nationalen 55 mph (88 km/h)-Tempolimits und des Corporate Average Fuel Efficiency Standards (CAFE). Erst in den Achtzigern hat sich ein Gleichgewicht aus âgĂŒnstigâ, âhaltbarâ, âbedienbarâ und âschnellâ etabliert.
Der Caprice 9C1 LT1 von 1994 bis 1996 gilt heute in den USA als der beste Streifenwagen des 20. Jahrhunderts â die B-Plattform selbst hat zehn Jahre in Folge die Michigan State Police Fahrzeugtests gewonnen, dreimal (1990, 1991 und 1996) sogar alle sechs Testkategorien gleichzeitig, was keinem anderen Fahrzeug in der Geschichte der MSP-Tests bis dahin gelungen war. Nur ein einziger andere Streifenwagen, der Dodge Polara von 1969, hat vergleichbare Höchstgeschwindigkeiten erreicht â allerdings nicht in einer offiziellen Messung. Schneller als der 9C1 war unter vergleichbaren Bedingungen nur der Camaro B4C, der allerdings nicht in die gleiche Fahrzeugklasse fĂ€llt. Erst 2005 konnte Chrysler mit der Neuauflage des Dodge Chargers als Police Package-Limousine die Fahrleistungen des Caprice 9C1 ĂŒberbieten.cite-ref-13[13]
| Bezeichnung | SEO | Fahrzeugtyp | Motor Standard | Motor Optional | Jahre |
|---|---|---|---|---|---|
| Police Package | 9C1 | Sedan | LO3, L99 | LO5, LT1 | 1991-1996 |
| Taxi Package | 9C6 | Sedan | LO3, L99 | LB4 | 1991-1996 |
| Special Service Wagon | 1A2 | Wagon | LO3, LO5, LT1 | LO5 (1991) | 1991-1995 |
Kosten
Ein groĂer Teil der spezifischen Modifikationen fĂŒr das Police- und Taxi-Package dient in erster Linie dem Merkmal âgĂŒnstigâ, etwa durch vereinfachte Innenausstattung mit SitzbĂ€nken vorne (bis 1993) und schmucklosen TĂŒrverkleidungen, weniger DĂ€mmmaterial, Null-Optionierung, Wegfall der Innenverkleidung im Kofferraum oder resistentere Materialien fĂŒr Sitzpolster und Sitzkerne. ZusĂ€tzlich hatten SEO-KĂ€ufer diverse âDeleteâ-Möglichkeiten, etwa das Radio abzubestellen (UL5), umgekehrt konnte der Police Package-Gummiboden in der Kabine (6A3) abbestellt werden â das Auto wurde dann mit Teppichboden geliefert.
Police- und Taxi Package-Fahrzeuge waren aufgrund der sonstigen weitreichenden Modifikationen trotz aller EinsparmaĂnahmen tatsĂ€chlich nicht gĂŒnstiger als ihre zivilen GegenstĂŒcke. Der Basispreis fĂŒr ein Zivilmodell des Modelljahres 1996 in der BasisausfĂŒhrung (1SA) belief sich auf USD 29045, wĂ€hrend das Police Package, das in der Bestell-Nomenklatur als 1SP gefĂŒhrt wurde, in der BasisausfĂŒhrung bereits USD 29190 kostete.
Haltbarkeit
Zum Zwecke der Haltbarkeit wurde etwa anderes Buchsenmaterial verwendet â und ab 1994 zusĂ€tzliche Rahmenbuchsen. Alterungsresistente Silikon-KĂŒhlerschlĂ€uche (1T1) können ebenfalls dieser Kategorie zugeordnet werden, genauso wie die ab 1995 verwendeten Traggelenke aus der Light Truck-Klasse an der Vorderachse. 9C1 und 9C6 teilen sich sowohl Fahrwerk (7B3) als auch die 1T1-Option, aber nicht die Bremsanlage. Verwirrung umgibt den vielzitierten âverstĂ€rktenâ Leiterrahmen der 9C1-Version. Obwohl 9C1 und 9C6-Leiterrahmen eine andere Stanzmarkierung ĂŒber der Hinterachse tragen als âzivileâ Rahmen, unterscheidet sich der eigentliche Rahmen von seinen zivilen GegenstĂŒcken nur in der BestĂŒckung mit Achsen und Fahrwerksteilen. Im GM-Ersatzteilsystem ist pro Modelljahr nur eine einzige Teilenummer fĂŒr Sedan-Rahmen hinterlegt,cite-ref-14[14] Als wahrscheinlich kann angenommen werden, dass die Angabe âHeavy Duty Perimeter Frameâ.cite-ref-15[15] aus der GM-Verkaufsliteratur fĂŒr Polizeifahrzeuge eine Abgrenzung zu den ĂŒberwiegend selbsttragenden Fahrzeugen der Ăra hervorheben sollte â aber heute fĂ€lschlicherweise als Abgrenzung zu âzivilenâ Fahrzeugen derselben Baureihe verstanden wirdcite-ref-16[16] TatsĂ€chlich verstĂ€rkt wurde auf Bestellung die Dachstruktur mittig auf Höhe der Vordersitze (6G2)cite-ref-17[17] was den Aufbau einer Rundumkennleuchte an dieser Stelle ermöglichen sollte, auch wenn diese Art Sondersignal 1991-aufwĂ€rts von den Polizeidiensten in Nordamerika kaum noch verwendet wurde.
Bedienbarkeit
Die Bedeutung âBedienbarkeitâ im Sinne besonderer Anforderungen im Polizei- oder Taxieinsatz umfasst etwa die Verlegung des elektrischen Kofferraumöffners aus dem Handschuhfach heraus, auf die von auĂen erreichbare Position neben dem Lichtschalter (1994â1996), der Verzicht auf Warntöne fĂŒr Licht, ZĂŒndschlĂŒssel, Fahrtrichtungsanzeiger etc., fĂŒr Polizeifahrzeuge eine Reihe von frei konfigurierbaren âZugangsbeschrĂ€nkungenâ, etwa nicht von innen abschliess- bzw. bedienbare FondtĂŒren und -fenster, oder VordertĂŒren, die auch im abgeschlossenen Zustand von innen geöffnet werden können. Weiter hatten Package-KĂ€ufer die Möglichkeit, bestimmte elektrische Vorbereitungen zu bestellen, etwa KabelbĂ€ume fĂŒr Lichtbalken oder Taxi-Dachschilder. Polizeifahrzeuge waren auĂerdem mit Warnlichtern im Kofferraumdeckel (T53) oder zusĂ€tzlichen Brems- und Blinkleuchten auf der Hutablage (6J6) bestellbar. Beide Pakete konnten um einem zusĂ€tzlichen Abgriff des Tachosignals fĂŒr WegstreckenzĂ€hler oder Geschwindigkeitsmesseinrichtungen ergĂ€nzt werden, 9C1-Fahrzeuge hatten geeichte Tachoinstrumente. Taxi-Fahrzeuge haben einen Haltegriff im Innenraum ĂŒber den FondtĂŒren und ein âDoor Ajarâ-Warnlicht fĂŒr alle TĂŒren und die Kofferraumhaube. Alle SEO-Fahrzeuge waren âSingle Keyâ-Autos, bei denen ein SchlĂŒssel alle Schlösser öffnet (mindestens zwei SchlĂŒssel fĂŒr TĂŒren und ZĂŒndung waren US-Standard im 20. Jahrhundert). FlottenschlĂŒssel und Suchscheinwerfer waren optional auf beiden Paketen, die Position des Reservereifens im Kofferraum war fĂŒr SEO-Fahrzeuge wĂ€hlbar (links oder mittig).
Oft werden âstichsichereâ RĂŒckenplatten in den Sitzlehnen der Vordersitze der 9C1-Fahrzeuge vermutet â allerdings wird eine solche Vorrichtung nirgendwo in der GM-Verkaufs- und Teileliteratur erwĂ€hnt. Auch die hĂ€ufig Polizeifahrzeugen zugeschriebenen âkugelsicherenâ TĂŒren und/oder Glasscheiben waren zu keinem Zeitpunkt auf dem Caprice verfĂŒgbar. Vordere âSchutztĂŒrenâ fĂŒr Polizeifahrzeuge mit einer leichten Aufpanzerung der US-Schutzklasse III-A wurden auf dem US-Markt erstmals 2006 von Ford als aufpreispflichtige Option angeboten. Bis heute bietet kein Hersteller Serien-Polizeifahrzeuge mit irgendeiner Art von Sonderschutzverglasung an.
Performance
âSchnellfahrâ-Optionen sind dem Police Package vorbehalten. Darunter fallen etwa die höhere Endgeschwindigkeitsbegrenzung, Scheibenbremsen auf der Hinterachse, vergröĂerte BremsbelĂ€ge vorne, stĂ€rkere KĂŒhlerlĂŒfter und externe KĂŒhler fĂŒr Motor- und Getriebeöl sowie ServoflĂŒssigkeit und ab 1994 Luftleitbleche zur KĂŒhlung der vorderen Bremsen. Weniger auffĂ€llig ist das kĂŒrzer ĂŒbersetzte Lenkgetriebe, optional erhĂ€ltlich waren spezielle âHandlingâ-StoĂdĂ€mpfer (8X3) vom deutschen Hersteller Bilstein. Anders als in den Sechzigern und Siebzigern, als spezielle Hochleistungs-Polizeimotoren grundsĂ€tzlich verfĂŒgbar waren, haben alle Streifenwagen in den Neunzigern im Wesentlichen mit der zivilen Serie beinahe identische Motoren verwendet. Der 5,7-Liter-V8 LO5-Zentraleinspritzer (1991â1993) im Caprice wurde zwar fĂŒr Polizeifahrzeuge tatsĂ€chlich als âHigh Outputâ-Version konfiguriert, seine Leistung weicht allerdings nur um 10 (1992) bzw. 20 PS (1993) von der seines zivilen GegenstĂŒcks ab. Der einzige echte, ausschlieĂlich dem Flottenmarkt vorbehaltene SEO-Motor ist in der 4. Generation der 4,3-Liter-V6 LB4-Zentraleinspritzer, der nur zusammen mit dem 9C6-Paket bestellt werden konnte. V8- und V6-9C6 sind mit Ausnahme des Motors technisch identisch. Einzig die LĂŒfterzarge und beide KĂŒhlerschlĂ€uche des V6-Modells sind lĂ€nger als die der V8-AusfĂŒhrung. Selbst die Peripherie der beiden Aggregate unterscheidet sich nur dadurch, dass der LB4 eine frĂŒhere AusfĂŒhrung des TBI-AbgasrĂŒckfĂŒhrsystems verwendet.
Von 1994 bis 1996 wurden rund 75 % aller 9C1 mit dem optionalen 5,7-Liter-LT1-V8 bestellt, die 4,3-Liter-L99-V8 wurden hĂ€ufig nur fĂŒr âNon-Emergencyâ-Zwecke und Verwaltungsaufgaben angeschafft. ErwĂ€hnenswerte Ausnahmen von dieser Regel sind unter anderem GroĂstadtpolizeidienste wie das Los Angeles Police Department (LAPD) und das New York Police Department (NYPD), die beide fast ausschlieĂlich 4,3-Liter-Fahrzeuge im uniformierten Streifendienst eingesetzt haben.
Erscheinungsbild
SEO-Optionierung eröffnete auĂerdem die Möglichkeit, Fahrzeuge in Sonderfarben oder mehrfarbig zu bestellen. Das Taxi-Gelb fĂŒr 9C6-Fahrzeuge, die in New York eingesetzt werden sollten, ist beispielsweise eine SEO-Farbe, genauso wie das Blau der Streifenwagen der Michigan State Police. Die bei US-Streifenwagen weitverbreitete Schwarz-WeiĂ-Kombination dagegen ist ein SEO-Farbschema (âTwo-Toneâ), dass in vielen Varianten verfĂŒgbar war. Die bis 1996 verwendete Blau-WeiĂ-Kombination der Einsatzfahrzeuge des NYPD zum Beispiel ist sowohl eine SEO-Lackierung als auch ein SEO-Farbschema. Alle SEO-Farben und -Farbschemata wurden immer in Verbindung mit schwarzen AuĂenspiegeln und Basiszierleisten ausgeliefert. Auf allen Fahrzeugen konnten Zierleisten entweder fĂŒr die vorderen TĂŒren oder fĂŒr die gesamte Fahrzeugseite abbestellt werden, genauso wie alle Embleme auf TĂŒren und Hauben, mit Ausnahmen des Haubenornaments und des Chevrolet-Abzeichens ĂŒber dem Kofferraumschloss.
VerfĂŒgbarkeit
9C1- und 1A2-Fahrzeuge sollten ausschlieĂlich durch Behörden erworben werden können, 9C6-Fahrzeuge sollten an eine âFlottenkĂ€uferâ-Registration gebunden sein. Regulierender Faktor scheint weitestgehend der Umstand gewesen zu sein, dass die SEO-Pakete weder bei KĂ€ufern noch bei auf den zivilen Absatzmarkt spezialisierten HĂ€ndlern einen Bekanntheitsgrad genossen, und schlicht in Unkenntnis der Möglichkeit nicht von zivilen KĂ€ufern bestellt wurden. TatsĂ€chlich wurden 9C1-Fahrzeuge hĂ€ufig von Behörden im Allgemeinen, oder von stĂ€dtischen und staatlichen Beschaffungsabteilungen fĂŒr alle angeschlossenen Behörden gekauft, so dass teils kuriose Kombinationen zustande kamen, bei denen zivile VerwaltungstĂ€tigkeiten von zivilen Verwaltungsangestellten in hochmotorisierten Polizeifahrzeugen vorgenommen wurden. Schulverwaltungsbehörden (insbesondere im SĂŒden der USA) haben 9C1-Fahrzeuge genauso genutzt wie âMosquito Commissionsâ â staatliche InsektenbekĂ€mpfer â in New Jersey oder wissenschaftliche Mitarbeiter der UniversitĂ€ten von Nevada oder die BauvorschriftsĂŒberwachung der Stadtverwaltung von Carson City. Gleichzeitig haben aber auch Polizeiorganisationen, etwa das New York Police Department (NYPD) fĂŒr bestimmte Aufgaben Taxi Package-Fahrzeuge genutzt.
Der Special Service Wagon fand keine weitreichende Verwendung. Nur insgesamt 846 StĂŒck produzierte GM von 1991 bis 1995; der weit ĂŒberwiegende Teil davon wurde an der OstkĂŒste eingesetzt. Etwa 90 % der 9C6-Fahrzeuge wurden an der OstkĂŒste ausgeliefert, da New York als einzige Stadt in den USA ĂŒberhaupt ein werksseitiges Taxipaket als Voraussetzung fĂŒr die Verwendbarkeit eines Pkw als Taxi innerhalb des Stadtgebietes vorschreibt. Das Modelljahr 1991 war das erste Jahr in der Geschichte des 9C6-Paketes, in dem kein Sechszylinder-Motor angeboten wurde. Dass der einzige verfĂŒgbare Motor (der L03-5,0-Liter) ein V8 war, stand offenbar im Konflikt mit der Beschaffungspolitik vieler New Yorker FlottenkĂ€ufer, so dass 1992 der LB4 4,3-Liter-V6 aus der VorgĂ€nger-Generation des Caprice reaktiviert wurde â ausschlieĂlich fĂŒr FlottenkĂ€ufer, und ausschlieĂlich fĂŒr 9C6-Fahrzeuge.
Kombinationen aus verschiedenen, teils hochspezialisierten, oft in Konflikt stehenden Optionen oder sogar komplette Optionen sind fĂŒr FlottenkĂ€ufer ebenfalls produziert worden, etwa fĂŒr die Security Police der US Air Force, die 1991 insgesamt 245 9C1-Fahrzeuge bestellt hat â erkennbar am SEO-Code 1N8 âMARKING â REFLECTIVE BLUE, U.S. AIR FORCEâ â von denen ein Teil zur Verwendung auf LuftwaffenstĂŒtzpunkten in Europa vorgesehen waren. Da in den europĂ€ischen Automobil-SchwellenlĂ€ndern 1991 noch immer kein bleifreier Kraftstoff flĂ€chendeckend verfĂŒgbar war (wie in den USA schon 1975 eingefĂŒhrt), wurden 32 der USAF-Fahrzeuge ohne Katalysator und mit verĂ€ndertem Motormanagement (NM8 âLEADED FUEL COMPATIBLE EXPORT/DOMESTIC MILITARYâ) ausgeliefert.
Nicht mit dem Caprice in direkter Verbindung stehend, aber exemplarisch fĂŒr die Bereitschaft von General Motors, auf FlottenkĂ€ufer-SonderwĂŒnsche einzugehen, ist der Chevrolet Malibu, der 1981 in einer ungewöhnlich hohen StĂŒckzahl in einer technisch sehr ungewöhnlichen Motor-Getriebe-Optionen-Konfiguration in Kanada als staatlich-irakische Taxiversion produziert wurde. Der heute sogenannte âIrakibuâ erlangte lokale BerĂŒhmtheit, als der Irak die Annahme der letzten 12.500 Fahrzeuge der Sonderproduktion verweigerte.
StĂŒckzahlen
| Modelljahr | | 9C1 Gesamt | 9C1 LO5 | 9C1 LO3 | | 9C6 Gesamt | 9C6 LO3 | 9C6 LB4 | | 1A2 Gesamt | 1A2 LO5 | 1A2 LO3 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1991 | | 34.562 | 29.313 | 5.249 | | 2.046 | 2.046 | - | | 134 | - | 134 |
| 1992 | | 28.652 | 22.302 | 6.350 | | 2.054 | 283 | 1.771 | | 172 | 172 | - |
| 1993 | | 27.642 | 21.177 | 6.465 | | 2.565 | 1.035 | 1.525 | | 168 | 168 | - |
| Modelljahr | | 9C1 Gesamt | 9C1 LT1 | 9C1 L99 | | 9C6 L99 Gesamt | | 1A2 LT1 Gesamt â |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1994 | | 31.762 | 24.432 | 7.339 | | 2.174 | | 217 |
| 1995 | | 26.351 | 19.864 | 6.487 | | 1.889 | | 154 |
| 1996 | | 10.859 | 7.796 | 3.063 | | 1.579 | | - |
â GM-ZĂ€hlungen weisen fĂŒr das Modelljahr 1994 216 1A2 LT1 und einen 1A2 L99 aus, obwohl der 1A2 nicht mit L99 angeboten wurde, und fĂŒr 1996 einen 1A2, obwohl kein 1A2 angeboten wurde.
Caprice (Serien WH/WK/WL, 1999â2006)
Da nach Einstellung des eigentlichen Caprice auf den MĂ€rkten des Nahen Ostens weiterhin eine starke Nachfrage nach einer groĂen hinterradgetriebenen Limousine unterhalb des Premiumsegments bestand, wurde ab 1999 das in Australien produzierte Modell Holden Caprice als Chevrolet Caprice exportiert und angeboten. Es unterscheidet sich technisch kaum vom Holden und durchlief auch alle Modellpflegen des Schwestermodells.
Caprice (Serie WM, 2006â2017)
Auch die Generation WM des Holden Caprice wurde als Chevrolet Caprice angeboten.
2017 schloss General Motors das Montagewerk in Elizabeth, SĂŒdaustralien, in dem der Caprice PPV hergestellt wurde, und beendete damit die Produktion sowohl des zivilen Chevrolet SS als auch des Caprice PPV. Der letzte PPV wurde am 18. Mai 2017 produziert. Mit der Einstellung des 9C1 Chevrolet Impala Limited PPV nach dem Modelljahr 2017 bietet Chevrolet keine viertĂŒrige Limousine mit einem Police Package mehr an.cite-ref-20[20]
Weblinks
Commons
: Chevrolet Caprice
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Der Caprice in Film- und TV-Produktionen; zahlreiche Fotos
Literatur
âą John Gunnell (Hrsg.): Standard Catalog of American Cars, 1946â1975. Revised 4th edition. Krause Publications Inc., Iola WI 2002, ISBN 0-87349-461-X.
âą James M. Flammang, Ron Kowalke: Standard Catalog of American Cars, 1976â1999. 3rd edition. Krause Publications, Iola WI 1999, ISBN 0-87341-755-0.
Einzelnachweise
cite-note-11. â âFatal Automatic Belt Ejection Crash Brunswick, ME, 9/31/91â, Calspan Report for DOT/NHTSA 2/91, Zusammenfassung, S. 1.
cite-note-22. â Automotive Safety: Are we doing enough to protect America's Families?, Protokoll der Anhörung vor dem ReprĂ€sentantenhaus des 102. Kongresses, Washington DC, 4. Dezember 1991, S. 83.
cite-note-33. â âDicke Dampfer auf Europa-Kursâ Auto Bild Nr. 30, 23. Juli 1990, S. 22.
cite-note-44. â Wortlaut der FuĂnote unter der âPowertrainâ-Sektion der Caprice Police Package-BroschĂŒre fĂŒr 1991: âIt is General Motors policy that the Chevrolet Caprice Police Package equipped with the 5.7L engine be sold only for usage by U.S., state, or local government primarily for police, law enforcement or fire fighting purposesâ
cite-note-55. â â1991 Car of the Yearâ, Motor Trend, Volume 42, Number 2, Februar 1991, S. 43.
cite-note-66. â âEngine Specifications â Chevrolet 5.7L (LO5)â, 1992 General Motors âBâ Carline General Specification Guide, General Motors Corporation, USA 1991, 6-15
cite-note-77. â 1992 Caprice Taxi Package, Chevrolet Media Productions, USA 1991
cite-note-88. â 1992 Caprice Export Service Manual, General Motors Corporation, Warren MI, USA 1992
cite-note-99. â Passenger Car Engines Product Specifications, GM Powertrain, General Motors 1993.
cite-note-1010. â 1994 Caprice Dealer Ordering Guide, âProduct Positioning/Buyer Demographicsâ, General Motors, USA 1993
cite-note-1111. â Sanow, Edwin J., âChevrolet Police Cars 1955â1996â, Krause Publications, Iola WI, USA 1997, S. 192.
cite-note-1212. â Chevrolet 91-96 B Parts and Illustrations Catalog, GM Service Parts Operations, Grand Blanc MI, USA, 2000, S. 2216 9-G21
cite-note-1313. â MSP â Police Vehicle Test Results. Abgerufen am 5. August 2020.
cite-note-1414. â Chevrolet 91-96 B Parts and Illustrations Catalog, GM Service Parts Operations, Grand Blanc MI, USA, 2000, S. 1443 6-I8
cite-note-1515. â 1991 Caprice Police Package, Chevrolet Media Productions, USA 1991, S. 3.
cite-note-1616. â Die GM-Nomenklatur selbst ist uneinheitlich: 1980 wird der 9C1-Leiterrahmen in der Verkaufsliteratur als âHigher gage frameâ bezeichnet, bereits 1981 erfolgt die EinschrĂ€nkung âfor certain frame membersâ
cite-note-1717. â 1991 Caprice Police Package, Chevrolet Media Productions, USA 1991, S. 13.
cite-note-1818. â 2018 Chevy Caprice Info, Pictures, Specs, Wiki â GM Authority. In: gmauthority.com. Abgerufen am 22. Oktober 2018 (englisch).
cite-note-1919. â autoblog.com: 2012 Chevrolet Caprice PPV â Anything But A Trivial Pursuit
cite-note-2020. â 2017 Chevrolet Caprice Police Patrol Vehicle (PPV). In: https://gmauthority.com. GM Authority, abgerufen am 7. August 2024 (englisch).
Im Zeitraum von 1942 bis 1946 wurden von Chevrolet MilitĂ€rfahrzeuge und andere RĂŒstungsgĂŒter gefertigt. Daher gab es aufgrund des Zweiten Weltkrieges nur eine eingeschrĂ€nkte zivile Fahrzeugproduktion.